Walter-Bau
Thailand will gepfändetes Flugzeug freibekommen

Thailands Außenminister Kasit Piromya will „einen großen Fehler“ der Bundesregierung korrigieren und das gepfändete Flugzeug von Kronprinz Vajiralongkorn freibekommen. Dafür will Piromya eigens nach Deutschland reisen.
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Bangkok/MünchenDer thailändische Außenminister reist eigens nach Deutschland, um ein gepfändetes Flugzeug von Kronprinz Vajiralongkorn freizubekommen. Kasit Piromya kündigte am Donnerstag an, mit einer Delegation von Diplomaten und Juristen nach Berlin zu fliegen, um „einen großen Fehler“ der Bundesregierung zu korrigieren. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, der thailändische Minister werde für Freitagabend zu Gesprächen im Ministerium erwartet. Da sich Außenminister Guido Westerwelle auf einer Reise in Lateinamerika befinde, werde die thailändische Delegation von Staatssekretärin Cornelia Pieper empfangen.

Ein Gerichtsvollzieher hatte am Dienstag in München einen Justizbeschluss vollstreckt und eine Maschine der Royal Thai Airforce auf Antrag des Insolvenzverwalters der einstigen Walter-Bau gepfändet. Damit will der Wirtschaftsprüfer Werner Schneider Schulden des thailändischen Staats über 30 Millionen Euro eintreiben. Eine Rechnung für eine Autobahn sei seit mehr als 20 Jahren offen.

Die thailändische Regierung hat erbost auf den Schritt der deutschen Justiz reagiert. Die Maschine gehöre Kronprinz Vajiralongkorn und nicht dem Staat. „Wir möchten klarstellen, dass diese Sache nichts mit dem Kronprinzen zu tun hat. Dieser Irrtum beruht offensichtlich auf Fehlinformationen des deutschen Justizsystems durch den Kläger.“ Während Schneider sich auf die Urteile deutscher Gerichte und eines internationalen Schiedsgerichts beruft, machen die Thailänder geltend, der Rechtsweg sei in dem Streit noch nicht ausgeschöpft.

Außenminister Kasit kritisierte, die Deutschen hätten ein Pfandsiegel auf die Boeing geklebt, ohne vorher eine Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Insolvenzverwalter Schneider blieb unterdessen hart. Die Situation sei unverändert, sagte eine Sprecherin. „Wir warten auf die Überweisung.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Zwei Fragen liegen vor (Und ich gehe davon aus dass das Schiedsgerichtliches Urteil vollstreckbar ist):
    1. Wem gehört das Flugzeug?
    2. Warum fliegt ein Minister der Regierung von Thailand nach Deutschland, falls das Flugzeug nicht Thailand gehört?
    Wird zweifellos verfolgt!
    PAULBAVO, Gent, Belgien

  • Das müssen die Deutschen doch auch verstehen. Das ist eben die Globalisierung, die wir doch so hoch halten.
    Immer schön in alle Welt verkaufen, schließiich sind wir ja Exportweltmeister, aber Geld für die Ware zu verlangen, ist schon auch ziemlich übel.
    Da wid noch so manche Blase demnächst platzen mit unserem Export. Da werden eine Menge unbezahlter Rechnungen sein, ganz besonders auch aus dem europäischen Raum. Arme Länder haen nun mal kein Geld um Rechnugnen zu bezahlen.

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