Warn-Brief an EU-Partner: Tsipras-Hilfegesuch gerät zum Rohrkrepierer

Warn-Brief an EU-Partner
Tsipras-Hilfegesuch gerät zum Rohrkrepierer

Der griechische Premier Tsipras fürchtet Zahlungsausfälle, falls es nicht schnell Finanzhilfen für sein Land geben sollte. Doch seine Warnung beeindruckt niemanden. Gibt es eine Lösung beim Treffen mit Angela Merkel?
  • 24

BerlinDie EU-Kommission hat zurückhaltend auf einen Warnbrief des griechischen Premiers Alexis Tsipras an Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Frankreichs Staatspräsident François Hollande und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker reagiert. In dem Schreiben vom 15. März, das dem Handelsblatt vorliegt, warnt Tsipras vor möglichen Zahlungsausfällen, falls es nicht kurzfristige Finanzhilfen für sein Land geben sollte. „Wir haben nun den 23. (März)“, sagte der Chefsprecher der Behörde am Montag in Brüssel. „Eine Menge Dinge sind seitdem geschehen.“ Er wollte keinen Sachverhalt debattieren, der eine Woche alt sei.

Am 19. und 20. März hatte eine kleine Runde mit Merkel und anderen Spitzenverantwortlichen am Rande des EU-Gipfels über die Rettung Griechenlands vor der Pleite beraten. Athen soll nun so schnell wie möglich eine Reformliste vorlegen, damit verbliebene Milliardenbeträge aus dem verlängerten Hilfsprogramm rasch fließen können. „Es gibt eine Zeit für Worte und Erklärungen, jetzt muss gearbeitet werden“, sagte der Behördensprecher.

Tsipras‘ Warnung dürfte auch Thema bei seinem heutigen Besuch in Berlin sein. Der Premier will Merkel eine Liste mit Reformen zur Überwindung der schweren Finanz- und Schuldenkrise seines Landes vorstellen. Damit hofft er, die europäischen und internationalen Geldgeber zur Auszahlung bereits in Aussicht gestellter Finanzhilfen zu bewegen.

Schon am Rande des EU-Gipfels war klar geworden, dass das Geld in der Athener Staatskasse noch bis Anfang April reichen dürfte. Tsipras hätte damit gut zwei Wochen Zeit, um mit den internationalen Geldgebern eine vollständige Reformliste abzustimmen. Im Hilfsprogramm stehen aus verschiedenen Quellen noch insgesamt 7,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnte auch in mehreren Raten ausgezahlt werden, meinen Experten.

Die Bundesregierung dämpfte bereits die Erwartungen auf einen Durchbruch im Schuldenstreit mit Athen. Die Begegnung könne und solle eine Lösung in der Euro-Gruppe nicht ersetzen, sagte Merkels Sprecher Steffen Seibert.

Kommentare zu " Warn-Brief an EU-Partner: Tsipras-Hilfegesuch gerät zum Rohrkrepierer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Keine Sorge, Ihre Kritik an der Politik vor und während der Euro-Einführung teile ich in vollem Umfang. Ich kritisiere die Damen und (meistens) Herren seit mindestens 1997 auch aktiv. Selbstverständlich hätte es - zumindest eine zeitlang - noch bei einer Kern-Eurozone unter Ausschluss wirtschaftlich instabliler und notorisch undisziplinierter "Südländer" bleiben müssen. - Da es aber in diesem Beitrag in erster Linie um GR ging, habe ich mich auf die Rolle dieses Landes in der Vergangenheit und Gegenwart konzentrieren wollen.

  • Wer hat die Schuld an der griechischen Misere? Die Griechen sicherlich durch eine schon traditionell unsolide Haushalts- und Wirtschaftsführung, wie hier immer wieder darauf hingewiesen wird: Aber das war auch schon 1988 bekannt, als Kohl und Mitterrand den Deal einer Verknüpfung zwischen deutscher Einheit, politischer Union und Währungsunion machten. Und ferner war bekannt, das das auch auf andere Länder zutraf, die neben Griechenland jetzt als Wackelkandidaten dastehen wie Italien, Spanien, Portugal, Frankreich….Man hat sich aber über die Warnungen von Fachleuten hinweggesetzt und eine gemeinsame Währung für Länder beschlossen, in denen jeder machte, was er wollte. Und auch das Märchen, das das alles ohne jede Haftung füreinander ginge, hat man den Menschen als glaubhaft verkauft, auch gegen deutliche Warnungen von Fachleuten. Heute kippt der ganze Laden um und auch demokratische Formen gehen in Europa mit baden: Der Euro ist eben der größte Spaltpilz aller Zeiten und das Wort von Giscard d´Estaing vom größten währungspolitischen Abenteuer aller Zeiten ist bereits wahr geworden, denn wer jetzt noch an eine Lösung für die Währungsunion glaubt, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Er sieht nicht die lange Kette gigantischer politischer Fehlleistungen, die uns noch teuer zu stehen kommen werden und je länger dieser absurde Zirkus dauert, um so höher werden die Austrittsgelder.

  • Dass dieses Land niemals in die Eurozone hätte aufgenommen müssen, steht auch für mich außer Frage. Das war die von - wie Sie zutreffend andeuten - fragwürdigen Interessen geleitete große Fehlentscheidung der anderen Mitglieder, selbstverständlich auch die von Deutschland. Dass man sich dabei auf (höflich ausgedrückt) "geschönte" griechische Daten verlassen hat, bei deren Gestaltung bekanntlich GOLDMAN SACHS die Feder geführt hat, macht die Sache nicht besser. Gleichwohl scheinen es die Griechen nie gekonnt zu haben: nur durch ihre in der Drachme turnusmäßigen Abwertungen konnten sie [wie andere Südländer auch] ihr traditionell disziplinloses Wirtschaften einschließlich regelmäßig hoher Inflationsraten immer wieder kompensieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%