Warnung des American Jewish Committee
Jüdische Gemeinden haben Angst vor Terror

Seit Wochen wird vor IS-Anschlägen in westlichen Ländern gewarnt. Jüdische Gemeinden in Europa fühlen sich aber nicht ausreichend geschützt. Das American Jewish Committee fordert die Staaten zum Handeln auf.

BerlinDas American Jewish Committee (AJC) hat die EU-Staaten aufgefordert, angesichts einer erhöhten Bedrohungslage infolge der internationalen Allianz gegen die Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) mehr für den Schutz jüdischer Gemeinden zu tun. „Unbestritten sollte sein, dass jüdische Einrichtungen eine durchweg höhere Gefährdungslage haben, als andere öffentliche Einrichtungen und daher auch besonderer Schutzmaßnahmen bedürfen. Diese Einsicht hat sicher leider noch nicht in allen europäischen Hauptstädten durchgesetzt“, sagte der Direktor des AJC-Europabüros in Brüssel, Stephan Kramer, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Europaweit werde der Schutz jüdischer Einrichtungen zwar weitgehend ernst genommen. „Allerdings gibt es in einigen Ländern eine intensive Diskussion über bessere staatliche Schutzmaßnahmen“, sagte Kramer weiter. „Nicht wenige jüdische Gemeinden fühlen sich alleingelassen mit der Frage der Sicherheit von Synagogen, Schulen und Kindergärten.“ Jüdische Eltern hätten nicht unbegründet Angst, ihre Kinder in Schulen und Kindergärten zu schicken. „In Deutschland sind jüdische Einrichtungen grundsätzlich sehr gut geschützt“, fügte Kramer hinzu, aber absolute Sicherheit gebe es nicht.

Allerdings könnten die Äußerungen von EU-Anti-Terror-Koordinator Gilles de Kerchove einige Staaten zum Umdenken in punkto Sicherheit bringen. De Kerchove hatte diese Woche die Einschätzung geäußert, die Extremisten-Organisation Al-Kaida könnte sich durch den Aufstieg des IS herausgefordert sehen, Anschläge in Europa, den USA und Israel zu verüben. Kramer sagte dazu: Ob die Äußerungen hilfreich seien, „wird sich zeigen, wenn nämlich einige europäische Regierungen ihre entspannte Haltung zur Bedrohungslage, insbesondere von jüdischen Einrichtungen, vielleicht neu überdenken“.

Seit langem bereits bestehe für die jüdischen Gemeinden und Organisationen in Europa eine „besonders starke, allgemeine Gefährdungslage, die sich auch noch einmal deutlich von der ohnehin erhöhten Gefährdungslage für die Bevölkerungen in unseren Ländern unterscheidet“, gab der AJC-Direktor zu bedenken. „Die jüdischen Gemeinden und Personen sind seit langem als herausgehobene Ziele identifiziert.“

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