Warnung von IAEO-Chef
„Iran steht vor Urananreicherung im großen Maßstab“

Im Atomstreit mit dem Iran ist kein Einlenken Teherans in Sicht. IAEO-Chef Mohammed el Baradei ist zunehmend besorgt und warnt, das Mullah-Regime könne bereits in sechs Monaten zu industrieller Urananreicherung fähig sein. Der Bau einer Atombombe sei in ein paar Jahren möglich.

HB LONDON. Der Iran könnte der Uno-Atomenergiebehörde zufolge innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate zur Urananreicherung im großen Maßstab fähig sein. Zum Bau einer Atombombe werde der Golfstaat nach Informationen der Geheimdienste aber voraussichtlich mindestens fünf Jahre benötigen, sagte der Chef der nternationalen Atomenergie-Organisation (IAEO), Mohamed el Baradei der „Financial Times“.

Das zur Urananreicherung nötige Wissen besitze der Iran bereits, schließlich betreibe das Land seit mindestens sechs Monaten entsprechende Zentrifugen, sagte er. el Baradei zufolge kann der Iran innerhalb von Monaten insgesamt 3000 Zentrifugen installieren, wie es das Land schon angekündigt hat.

Die IAEA legt am Mittwoch einen Bericht zum Stand der iranischen Urananreicherung vor, deren Aussetzung der Uno-Sicherheitsrat fordert. Am selben Tag entscheidet das mächtigste Gremium der Staatengemeinschaft darüber, ob seine Ende Dezember verhängten Sanktionen fortgesetzt oder erweitert werden.

Der Iran steht im Verdacht, die Urananreicherung für den Bau von Atomwaffen auszubauen. Die Regierung in Teheran bestreitet dies. Iranischen Angaben zufolge wird el Baradei am Dienstag in Wien zudem den iranischen Chefunterhändler Ali Laridschani treffen.

Beobachter erwarten, dass Teheran seine atomaren Aktivitäten bisher trotz der Uno-Sanktionen nicht eingeschränkt oder gestoppt hat. Die internationale Gemeinschaft fürchtet, dass der Iran den Besitz von Atomwaffen anstrebt und sein offiziell friedliches Atomprogramm dafür missbrauchen könnte. Teheran hat dies stets bestritten.

Sollte der Iran die Urananreicherung wie erwartet fortsetzen, dürfte sich schon bald ein ständiges Uno-Komitee mit dem Thema befassen. Für die EU drängen Deutschland, Frankreich und Großbritannien mit den USA in diesem Fall auf eine weitere Resolution gegen Teheran.

Die vom Sicherheitsrat beschlossenen Sanktionen gegen den Iran sind aber bereits mit der Entschließung vom 23. Dezember in Kraft. Darin wird unter anderem die Lieferung von Nukleartechnik an den Iran untersagt. Außerdem sollen Vermögenswerte von Personen, die am Nuklearprogramm mitarbeiten, eingefroren und Auslandsreisen dieser Personen verboten werden. Iraner sollen auch nicht mehr an EU- Universitäten in Fachgebieten studieren dürfen, die für das umstrittene Atomprogramm von Relevanz sein könnten.

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