Warnung vor "äußerstem Verfall" der Sicherheitsorgane
Libanesen befürchten neue Unruhen

Wenige Tage nach dem Anschlag auf die unabhängige Fernsehjournalistin May Chidiac wächst im Libanon die Sorge vor neuen bürgerkriegsähnlichen Unruhen. Die angesehene Beiruter Zeitung „Daily Star“ warnte am Dienstag vor dem Zustand „äußersten Verfalls“ der staatlichen Sicherheitsorgane.

mzi BERLIN. Die Bürger könnten nicht mehr auf den Staat setzen, sondern müssten sich selbst schützen. Regierungschef Fouad Siniora hatte nach dem Anschlag auf die Christin Chidiac die USA um Hilfe bei der Aufklärung gebeten. Ein Team von US-Terrorexperten hat sich inzwischen in die Untersuchung eingeschaltet.

Chidiac, eine bekannte TV-Moderatorin vom Sender LBC, war am Sonntag schwer verletzt worden, als eine Bombe in ihrem Auto explodierte. Im Sommer war bereits Samir Kassim, ebenfalls ein renommierter christlicher Journalist ermordet worden. Chidiac wie Kassim waren für ihre Syrien-kritische Haltung bekannt. Seit Februar und damit seit dem Mord an den früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri wurde der Libanon damit von insgesamt vierzehn Bombenanschlägen erschüttert.

Zahlreiche Beobachter machen für die Gewaltwelle Syrien verantwortlich. Damaskus musste im Frühjahr weltweitem Druck nachgeben und nach 29-Jähriger Anwesenheit seine Truppen aus dem Libanon abziehen. Die nächste Eskalationsstufe droht nun mit der Vorlage des Untersuchungsberichts durch den Ermittler der Vereinten Nationen, des Deutschen Detlev Mehlis. Mehlis konnte erst vor wenigen Tagen in der syrischen Hauptstadt Damaskus Zeugen befragen, was ihm zuvor verweigert worden war. Für den 21. Oktober wird sein Bericht über die Hintergründe des Mordes an Rafik Hariri erwartet.

Bereits Anfang des Monats waren gegen drei frühere Sicherheitschefs und den Kommandanten der Garde des libanesischen Präsidenten Emile Lahoud Haftbefehle ergangen. Dieser Schritt wurde als Kampfansage gegen das alte System, das tief mit der syrischen Geheimpolizei verstrickt ist, interpretiert.

Lahoud selbst gilt dabei als Mann Syriens. Sollte sich bei der Offenlegung der Hintergründe für den Mord an Hariri die syrische Verbindung belegen lassen, dürfte auch Lahoud in schwere Bedrängnis geraten. Erste Aussagen des Uno-Ermittlers Mehlis deuten darauf hin, dass tatsächlich die obersten Kreise der libanesischen Sicherheitschefs in das Komplott gegen Hariri verwickelt sind. Diese werden nach allgemeiner Auffassung von langer Hand aus Damaskus gesteuert.

Seite 1:

Libanesen befürchten neue Unruhen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%