Warnung vor merkwürdigen Verschwörungstheorien
Ägyptens Extremisten wollen mit El Kaida nichts zu tun haben

Die ägyptischen Extremisten der Organisation Gamaa Islamija haben sich in einem neuen Buch deutlich von den El-Kaida-Terroranschlägen distanziert. Der Islam verbiete das Töten von Ungläubigen, begründete die Führung.

HB KAIRO. Nach Informationen der arabischen Zeitung „Al-Sharq Al-Awsat“ vom Donnerstag wird die Ablehnung der El-Kaida-Strategie in dem Buch damit begründet, dass „der Islam das Töten von Ungläubigen verbietet, außer wenn sie sich darauf vorbereiten, uns (die Muslime) anzugreifen“. Die Gamaa Islamija hatte 1997 die Verantwortung für die Ermordung von 58 Touristen in Luxor übernommen, später jedoch der Gewalt als Mittel im Kampf für einen islamischen Staat abgeschworen.

Ihr neues Buch mit dem Titel „Strom der Erinnerungen“ erscheint nur wenige Tage nach der Freilassung von Karam Suhdi (51), der als Mitglied der Führung der Gamaa Islamija und Mitverantwortlicher für die Ermordung des früheren ägyptischen Präsidenten Anwar el Sadat 22 Jahre im Gefängnis verbracht hatte. Der Anwalt der Gamaa, Muntassir Zayat, sagte am Donnerstag in Kairo, die Mitglieder der Organisation hätten beim Verfassen des Buches im Gefängnis völlig freie Hand gehabt. „Die Gruppe hat immer noch ihre eigenen Ideen und denkt nicht daran, sich einer anderen Bewegung (etwa den als gemäßigter geltenden Moslembrüdern) anzuschließen“, fügte der ägyptische Anwalt hinzu.

Warnung vor merkwürdigen Verschwörungstheorien

Die acht Führungsmitglieder der Gruppe warnen die Muslime in ihrem Buch davor, merkwürdigen Verschwörungstheorien anzuhängen, wonach angeblich nicht El Kaida, sondern der israelische Geheimdienst Mossad, die Anschläge vom 11. September 2001 geplant haben soll. Derartige Theorien sind in der arabischen Presse häufig zu lesen gewesen.

In den vergangenen vier Monaten hatte die ägyptische Regierung rund 1 000 „reumütige“ Gamaa-Mitglieder aus der Haft entlassen. Nach inoffiziellen Schätzungen sitzen aber noch rund 16 000 mutmaßliche islamische Islamisten im Gefängnis. Beobachter in Kairo rechnen damit, dass bei einer Amnestie zum 6. Oktober, dem staatlichen Feiertag zur Erinnerung an den ägyptischen Vorstoß im Krieg mit Israel 1973, rund 200 weitere Gamaa-Mitglieder freigelassen werden.

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