Warnung vor Zinsanstieg
Frankreich droht nach der Wahl ein böses Erwachen

Vor der Wahl ist in Frankreich von politischen und wirtschaftlichen Reformen nicht viel zu sehen: Paris vertraut auf die Gläubiger - und strapaziert die Geduld ausländischer Anleger. Banker befürchten steigende Zinsen.
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ParisFinanzexperten und Ökonomen in Paris fragen sich, ob die Zinsen auf französische Staatsanleihen unmittelbar nach der Wahl des Staatspräsidenten am 22.April und 6. Mai hochschnellen werden. Einige Banker und Ökonomen warnen vor einer denkbaren Schreckreaktion: Derzeit hätten die Investoren ein zu rosiges Bild von Frankreichs politischer und wirtschaftlicher Lage. „Das könnte ein ähnlich böses Erwachen geben wie im Falle der Südländer des Euro-Raums, mit der Folge eines Ausstiegs aus französischen Staatsanleihen und steigenden Zinsen“, sagt der Spitzenvertreter einer ausländischen Bank in Paris.

Kein Banker möchte in den Verdacht geraten, sich in den Wahlkampf einzumischen. Deshalb lassen die Warner sich nicht namentlich zitieren. Der Chefvolkswirt einer französischen Investmentbank meint, vor allem in den USA und in Asien hätten die großen Investoren kein realistisches Bild von der politischen Entwicklung in Frankreich - nur in Deutschland stelle man die richtigen Fragen über Verschuldung und Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Weil das Gröbste der Euro-Krise überwunden scheint und die jüngsten Konjunkturprognosen ausschließen, dass Frankreich in die Rezession zurückfällt, hat sich Gelassenheit breitgemacht. Man fühlt sich Lichtjahre entfernt von der Panik, die kurz vor dem Verlust des Triple A-Ratings im Januar herrschte. Die Renditen auf Staatsanleihen sind im Vergleich zum März 2011 je nach Laufzeit um 40 bis über 100 Basispunkte gesunken. Die große Frage ist, worauf diese Verbesserung zurückgeht und wie stabil sie ist. Die meisten Bank-Volkswirte sehen die Geldschwemme der EZB als Ursache.

Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes in Paris, gehört ausdrücklich nicht zu den Pessimisten, die einen plötzlichen Zinsanstieg befürchten. Aber auch er sagt: „Italien und Spanien haben entschlossene Reformen begonnen, Frankreich noch nicht.“ Die Investoren fragten sich deshalb, „wo Frankreich in drei Jahren stehen wird“. Das müsse die neue Regierung beantworten. Im Moment sei Frankreich „im Fegefeuer, zwischen dem starken Norden und dem schwachen Süden der Euro-Zone.“

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Kein ausgeglichener Haushalt seit den 70ern

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  • Hollande soll mit samt seinem gallischen Sozialismus zum Teufel gehen. Deutschland darf sich an dem französischen Quatsch nicht beteiligen. Der größte Witz in jüngster Zeit: Hollande und Gabriel sind sich "völlig" (!) einig. Wie sieht es z.B. bei den AKWs aus? Fessenheim und Cattenom bleiben an der deutschen Grenze und Deutschland baut seine AKWs an der französischen Grenze ab?! Schluß mit der hochmütigen gallischen Bevormundung! Mit Frankreich ist es wie mit einer großen, schön dekorierten Pralinenschachtel: Große Erwartung und riesiges Image, doch wenn man die Schachtel aufmacht, ist nix drin!

  • Das reicht für ein ganzes Semester, um in VWL durchzufallen. Das Märchen stammt unter anderen vom Chefökonomen der FTD Fricke und aus der ZEIT. Fricke hat von Außenwirtschaftstheorie noch nie etwas gehört und löscht meine posts. In der FAZ würden Sie einen solchen Blödsinn nie lesen. Der Gewinn der Industrie beträgt 3% vom Umsatz, da ist der Gewinn recht kümmerlich. Dafür hat Deutschland über ein Jahrzehnt höhere Zinsen als ohne Euro, das beeinflusst die Investitionmen und das Wachstum negativ. Außerdem sind alle Importe, ca. 1 Billion im Jahr erheblich teurerer, weil die DM stärker wäre als der Euro. Benzin wäre z.B. 10 Cent billiger. Das frisst unsere Kaufkraft. Wenn man das zusammenfasst, kostet das mindestens 5% vom BIP. Und das jedes Jahr. Damit ist das Märchen vom Leistungsbilanzüberschuss abartiger Nonsens. Wenn Sie schlau sind, schreiben Sie einen schönen Aufsatz dazu, dann bekommen Sie für ihre neue Theorie garantiert den Nobelpreis. Ich hoffe Sie wissen, wie hoch der dotiert ist. Also schön loslegen!

  • Es steht jedem EU Land frei seine Import/Exportbalanz selbst zu regeln. Mir sind keine Verträge bekannt, die irgendjemand zwingen würden, um mehr zu importieren als zu exportieren. Auch die Mechanismen innerhalb der EU sind flächendeckend gemeinsam entschieden worden. Somit kann hier von bewusster Übervorteilung keine Rede sein, sondern eher von einem Versagen überprotektionierter Märkte. Das dann als Aussaugen hinzustellen, ist faktisch falsch. Man sollte nicht nur auf die Leistungsbilanzüberschüsse schauen, sondern vielleicht auch mal, warum es dazu gekommen ist.
    Und wenn das Wort aussaugen schon genannt wird, dann fallen mir eher so Betriebe ein, wie Dexia und Fortis jetzt BNP Paribas, wo in Kooperationen mit anderen Ländern die Verluste abgewälzt wurden auf die Partner deutlich zum Vorteil des französischen Teils. Oder GDF Suez, deren unverschämte Preispoltik auf dem belgischen Markt nun dazu geführt hat, dass nach ein bisschen Liberalisierung des Marktes 50 % der Kunden in den letzten Monaten einen anderen Energieversorger gewählt haben. Wer saugt da wen aus, bitte schön?

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