Warnungen vor heraufziehendem Krieg
Plan 5030: USA provozieren Nordkorea

Der Krieg der Worte um Nordkoreas Atomprogramm läuft aus dem Ruder. Wenn die US-Regierung nicht bald eine effektive Politik gegenüber dem diktatorischen Regime entwickle, rücke ein echter Krieg bis Jahresende in Reichweite, glaubt Ex-Verteidigungsminister William Perry.

TOKIO/DÜSSELDORF. Wie vor dem Irak-Krieg ringen die Flügel in der US-Administration um eine Antwort auf die Provokationen Pjöngjangs: Das Außenministerium will multilaterale Verhandlungen, doch im Pentagon wird an einer Provokationsstrategie gefeilt. Noch in dieser Woche will Präsident George W. Bush eine Strategie festlegen, heißt es dazu in Washington.

In der bislang letzten Eskalationsstufe hat Nordkorea sich damit gebrüstet, alle 8 000 Brennstäbe in einem Atomreaktor in Yongbyon wiederaufbereitet zu haben – berichten US-Vertreter. Damit hätte Pjöngjang Material für den Bau von bis zu fünf Atombomben. Zuvor hatte das Regime indirekt angegeben, bereits über mindestens eine Atombombe zu verfügen. Doch könnte es sich in beiden Fällen um Drohgebärden handeln, um die USA von einem möglichen Angriff abzuschrecken.

Auch wenn es über den tatsächlichen Stand des Atomprogramms keine Klarheit gibt wird die Gefahr in den USA ernst genommen, dass sich das Land unangreifbar macht oder Nuklearwaffen an Terroristen weitergibt. „Von Nordkoreas Atomprogramm geht jetzt die Gefahr aus, dass in Amerikas Städten Atombomben gezündet werden,“ warnt Perry. Er hatte für die Clinton-Administration das Abkommen mit Pjöngjang ausgehandelt, das zur Stilllegung aller Atomanlagen führte und gilt als Insider mit guten Kontakten in der Region.

Dort hofft man nach wie vor auf eine Lösung der Krise. Chinas Vize-Außenminister Dai Bingguo legte der Führung in Pjöngjang jetzt einen Kompromissvorschlag vor, wonach am Rande von multilateralen Verhandlungen ein bilaterales Treffen zwischen Nordkorea und den USA stattfinden soll. Ersteres wollen die USA, letzteres fordert Nordkorea. Auf diesen Vorschlag hatte sich Chinas Präsident Hu Jintao mit seinem südkoreanischen Kollegen Roh Moo-Hyun verständigt. China ist Hauptöl- und -nahrungslieferant Nordkoreas und hat großen Einfluss auf Staatschef Kim Jong-Il.

Plan 5030: Nordkorea in einen permanenten Alarmzustand versetzen

Doch auch in Asien sinkt die Bereitschaft, weiter mit Pjöngjang zu reden. Selbst in Japan, bisher wie Südkorea gegen jeden militärischen Eingriff, reden einzelne Politiker jetzt von einer „roten Linie“, die der Norden zu überschreiten drohe. Genau auf diesen Schwenk hoffen Hardliner, die einen Regimewechsel für unumgänglich halten. Laut der Zeitschrift „US News and World Report" haben Pentagon-Experten im Auftrag von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einen Plan entwickelt, Nordkorea so weit zu provozieren, dass es seine knappen Ressourcen aufbrauchen muss und letztendlich kollabiert. Dieser „Plan 5030“ ist nicht einmal von Rumsfeld abgesegnet, doch wurde er offenbar gezielt lanciert, um den Druck auf Pjöngjang zu erhöhen. Unter anderem sieht er überraschende Militärübungen vor, die Nordkorea in einen permanenten Alarmzustand versetzen würden.

Dabei scheinen die Falken eine Eskalation in Kauf zu nehmen. Nur mit konkreten Beweisen für Nordkoreas Bedrohung bekämen die USA die internationale Unterstützung für groß angelegte Sanktionen, sagt Park Yong-Ho vom südkoreanischen Vereinigungsinstitut. Bislang lehnen Südkorea, Russland und China das ab. Und selbst unter harten Maßnahmen würde Nordkorea nicht zusammenbrechen, argumentiert der Südkoreaner Park. Das Land sei so abgeschottet, dass die Leidensfähigkeit enorm hoch sei.

Aus diesem Grund plädieren moderate US-Außenpolitiker wie Perry für eine „Diplomatie des Zwangs“, eine Mischung aus harten Drohungen und konkreten Hilfsangeboten. Bush müsse sich jetzt festlegen, drängt Perry, doch halte der Präsident offenbar an der Einstellung fest, dass Kim Jong Il „böse und verachtenswert sei – und jede direkte Verhandlung mit ihm unmoralisch“.

Konfrontationskurs

1994: Nordkorea stellt Atomprogramm ein; USA verpflichten sich zu Energielieferungen.

Januar 2002: Bush zählt Pjöngjang zur Achse des Bösen

November: USA stellen Öllieferungen ein

Dezember: Nordkorea wirft IAEA-Inspektoren raus

Januar 2003: Pjöngjang kündigt Nonproliferationsvertrag Februar: Atomanlagen nehmen Arbeit wieder auf

April: Nordkorea beginnt Herstellung waffenfähigen Plutoniums; Gespräche mit den USA in China ohne Erfolg; Nordkorea gibt Besitz von Atomwaffen an

Juli: Pjöngjang verfügt nach US-Angaben über Material für bis zu 5 Atombomben

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