Was das Ausland über uns denkt: Die Wut der Griechen

Was das Ausland über uns denkt
Die Wut der Griechen

Bundespräsident Gauck besucht Athen. Doch dort ist man nicht gut auf Berlin zu sprechen, „Merkelist“ ist die schlimmste Beschimpfung. Deshalb lügt unser Korrespondent schon mal, wird er nach seiner Nationalität gefragt.
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Ich gestehe: Ich habe gelogen. Aber es war eine Art Notlüge, neulich, auf dem Weg vom Athener Flughafen zu meiner Wohnung. Es war spätabends, ich war müde, der Taxifahrer schlecht gelaunt. „Ich warte hier seit fünf Stunden“, knurrte er ungefragt beim Einladen des Gepäcks - als wäre ich zu spät gekommen.

Im Autoradio läuft eine Meldung: Bundeskanzlerin Merkel wolle vor der Europawahl Griechenland nicht mit weiteren Hilfen entgegenkommen, um der AfD keine Munition zu liefern.

Der Fahrer dreht lauter, blickt mich prüfend im Rückspiegel an und fragt: „Wo kommen Sie her?“ Ich ahne, was mir jetzt bevorsteht: Ein endloses Streitgespräch über die Krise und die Rolle der Deutschen. „Aus Zürich“, lüge ich und denke an die Maschine der Swiss, die gleich neben meinem Lufthansa-Airbus zum Gate rollte. „Schweizer?“ fragt der Fahrer. Ich nicke stumm. Einen Vortrag über Merkel und Schäuble musste ich mir trotzdem anhören. Aber wenigstens saß ich auf dem Rücksitz diesmal nicht auf der Anklagebank.

Lesen Sie diesen und andere Artikel in unserem Dossier „Wie das Ausland uns Deutsche sieht“, erhältlich als PDF im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

Kommentare zu " Was das Ausland über uns denkt: Die Wut der Griechen"

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  • „Das interessiert mich nicht“, entgegnet der Fahrer, fährt rechts ran und sagt: „Ich fahre keine Deutschen.“
    ........Jeder vierte Grieche sieht in Deutschland sogar eine „Bedrohung“. Noch mehr Angst als vor den Deutschen haben die Griechen nur vor ihren Erbfeinden, den Türken. (Zitate)

    Ja- das klingt "böse" aber informativ. Vor lamger,langer Zeit erzählte mir ein ägyptischer Berufs-Kollege hier in Deutschland einen Vergleich -etwa so : Zehn Ägypter zusammen entsprechen der Raffinesse schon nur einem Griechen . Ich hatte "auf Teufel komm raus" nicht mitbekommen , was der Ägypter nun eigentlich gegen die Griechen aussagen wollte. Schließlich hatte man bereits in der Schule die griechische Klassik so gelehrt, dass man nur die höchste Hochachtung gegenüber Griechenland bekam. Man sollte natürlich nicht alles gleich ernst nehmen. Aber zur Zeit herrscht ein verdammt kleinkarierter "Kulturkrampf", den man lieber gleich vergessen sollte.

  • Die Wut eines Bankroteurs, also eine s.g. Versagers oder auch Blindgänger.

    Muss man sich mit solchen Leuten sachlich unterhalten?

    Ich sehe klare Verständnisprobleme!

  • Danke, nun brauche ich Berichte Ihres Korrespondenten Gerd Hoehler erst garnicht lesen, da er gerne mal luegt. Kindisch, ein Grieche wuerde zu seinem Land stehen. Aber so sind halt die Deutschen.
    Wuerde er wenigstens Baron v. Muenchhausen nacheifern, aber noch nicht mal dazu faehig!

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