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03.12.2008 
Staatshilfen

Was kostet die Rettung der Welt?

von Rolf Benders und Matthias Eberle

Milliardenkredite für Amerikas Autokonzerne könnten nur der Anfang sein. Denn obwohl die US-Regierung der heimischen Wirtschaft bereits acht Billionen Dollar Staatshilfen zugesagt hat, warnt Nobelpreisträger Krugman: Der Staat müsse soviel ausgeben, wie er managen könne - sonst drohen Armut und Arbeitslosigkeit.

Mit Krediten aus der Krise? Amerikas Autobauer setzen auf Washington. Foto: APLupe

Mit Krediten aus der Krise? Amerikas Autobauer setzen auf Washington. Foto: AP

NEW YORK. In Washington jagt ein Rettungsprogramm das nächste. Seit gestern verhandelt der US-Kongress im zweiten Anlauf über Staatshilfen für die vor dem Finanzkollaps stehende Autoindustrie rund um Detroit. Springen die Steuerzahler nicht mit Krediten von mindestens 25 Mrd. Dollar ein, drohen bei General Motors und Chrysler noch vor Weihnachten die Lichter auszugehen – mit gravierenden Folgewirkungen auf den ohnehin schwachen Arbeitsmarkt. „Wir sind in einer schlimmen Rezession und befinden uns im freien Fall“, warnt der Wirtschaftsprofessor und Nobelpreisträger Paul Krugman. Weil die Notenbank Fed kaum mehr Spielraum habe, die Wirtschaft etwa über Zinssenkungen anzukurbeln, fordert er weitere Konjunkturhilfen von 600 Mrd. Dollar allein im ersten Jahr der Obama-Regierung. „Wenn wir jetzt nichts unternehmen, werden wir einen riesigen Anstieg von Arbeitslosigkeit und Armut sehen“, sagte Krugman dem TV-Sender CNBC. Die US-Regierung müsse deshalb „so viel ausgeben, wie sie managen kann“.

Infografik: Wie die Staaten ihre Hilfe organisieren

Von den über acht Billionen Dollar, die Washington bislang zur Stützung des Finanzsystems angekündigt hat, sind 1,4 Bill. tatsächlich ausgegeben worden. Gegen diese 13-stellige Zahl (1 400 000 000 000) sehen frühere Hilfspakete wie Anweisungen aus der Portokasse aus: Die Sparkassenkrise in den 80er-Jahren kostete den US-Steuerzahler inflationsbereinigt „nur“ 256 Mrd. Dollar. Der Marshall-Plan für das nach dem Zweiten Weltkrieg zerstörte Westeuropa fiel aus heutiger Sicht mit 115 Mrd. Dollar geradezu niedlich aus.

Die Analogien hinken jedoch an einem wesentlichen Punkt. Derzeit leiht die US-Regierung einen Großteil der Beträge nur aus oder verbürgt sich damit für drohende Verluste des Finanzsektors. Keiner vermag realistisch einzuschätzen, was die Krise den Steuerzahler am Ende kosten wird. Das hängt davon ab, ob die Darlehen später zurückgezahlt werden und wie viel die Sicherheiten und Firmenbeteiligungen zum Verkaufszeitpunkt wert sind. So wiederholt Finanzminister Henry Paulson bei jeder sich bietenden Gelegenheit: „Es wäre sehr ungewöhnlich, wenn die Regierung nicht das ganze Geld zurückbekäme.“ Trotzdem verängstigt die schiere Größe der Summe die Öffentlichkeit: Sie fühlt sich überrollt von den alltäglichen Hiobsbotschaften seit Ausbruch der Krise und hat den Überblick über die Hilfsprogramme längst verloren.

Mit dem bislang dicksten Brocken von 3,1 Bill. Dollar versichert die Regierung Anleihen, Geldmarktfonds und die Spareinlagen gegen Ausfall. Die bisher größten Risikopositionen dürften die Verlustübernahme für ein gut 300 Mrd. Dollar schweres Kreditportfolio der Citigroup sowie ein ähnliches Kreditbuch der zusammengebrochenen Investmentbank Bear Stearns sein. In Washington mag derzeit niemand weitere Hiobsbotschaften ausschließen.

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