Was vom Tage bleibt: Stinkefinger für die Eurogruppe

Was vom Tage bleibt
Stinkefinger für die Eurogruppe

Griechenlands neue Regierung schmeißt die Troika raus. Wer kommt stattdessen? Russland senkt die Zinsen. Wer soll jetzt noch in Rubel investieren? Und: Die AfD probt den doppelten Lucke. Lesen Sie, was heute wichtig ist.
  • 1

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Kein Teppich unter den Füßen

Eurogruppenchefs schreiten normalerweise auf roten Teppichen. Jeroen Dijsselbloem heute nicht. In Athen war es nur hartes Pflaster, das er mit Alexis Tsipras und Finanzminister Yanis Varoufakis abschritt. Kontakte mit der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds lehnen die neuen Griechen ab. Auf der Rückfahrt wird sich Dijsselbloem fragen: Helfen sich die Griechen fortan selbst oder hilft ihnen Russland?

Kein Hochzins mehr in Russland

Die Russen sind jedenfalls auch nicht in Hochform. Ihre Notenbank legt eine überraschende Kehrtwende in der Geldpolitik hin und senkt den Leitzins um volle zwei Prozentpunkte. Der Rubel und die Aktienkurse in Moskau stürzen daraufhin weiter ab. Mit niedrigeren Zinsen versuchen die Geldpolitiker, den Niedergang zu bekämpfen und Kredite erschwinglicher zu machen. Streit mit Griechenland, Streit mit Russland – das Leben hierzulande wird dadurch weder angenehmer noch billiger.

Keine garantierten Renditen für Versicherungskunden

Teuer leben vor allem Lebensversicherte. Nicht nur der Garantiezins und die laufende Verzinsung sinken. Auch die garantierten Beitragsrenditen, die darstellen, was Versicherte nach Kosten mit ihrer Police mindestens erzielen, brechen ein. Ein trauriges Szenario wird Wirklichkeit: Die Lebensversicherung ist kein Lohn für lebenslanges Sparen, sondern eine Strafe. Denn wer nicht aufpasst, dem wird vom eingezahlten Geld am Ende sogar noch etwas abgezogen.

Kein Tempo auf Landstraßen

Besser als jede Lebensversicherung funktioniert die Risikovermeidung. Das sieht der Verkehrsgerichtstag in Goslar genauso. Seine Teilnehmer empfehlen heute Tempo 80 auf Landstraßen in Deutschland einzuführen. Das sei sicherer. Mit dem Schnellfahren ist es wie mit dem Dickwerden: Am sichersten ist es, gar nicht erst loszufahren oder eben gar nicht erst zu essen. Trotzdem ist beides eine schlechte Lösung.

... aber ein doppelter Lucke

Eine schlechte Lösung hat auch die AfD für ihren Parteitag gewählt. Weil sich 2145 Teilnehmer angemeldet haben, wurden in Bremen zwei Veranstaltungorte gebucht. Der Parteitag wird per Liveschaltung vom einen an den anderen Ort übertragen, die Führungsmannschaft muss sich aufteilen. Einen doppelten Lucke wird es aber nicht geben und sein Stellvertreter Hans-Olaf Henkel reist gar nicht erst nach Bremen. Ob der Streit bei der AfD um die Führung aus einer Hand mit Hilfe eines doppelten Parteitags erfolgreich beigelegt wird, können wir dann am Sonntag beurteilen. Ich bin pessimistisch.

Bis dahin wünsche ich Ihnen ein entspanntes Wochenende


Ihr Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Stinkefinger für die Eurogruppe"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Stinkefinger für die Eurogruppe"
    Für die Mitglieder der Eurogruppe geht es jetzt wohl um das eigene politische Überleben. Da muss dann schon jeder einzelne für sich kämpfen.
    So wie sich die Griechen verhalten, haben sie Material in der Hinterhand, dass Zündstoff bedeuten und einen Minister aus dem Amt "sprengen" kann.
    Die Head line in einem Ihrer anderen Artikel war wirklich gut gewählt. Schulz traf zwar diskussion- aber keine verhandlungsbereite Griechen.
    Man muss davon ausgehen, dass die Griechen ihre Trümpfe nicht ausgespült haben und nicht nur die Troika sondern auch die Eurogruppe in neuer Besetzung antritt.
    Was haben die Griechen zu verlieren? Nichts!
    Wenn sie sparen, "sterben" sie später. Wenn sie die Probleme platzen lassen, sterben sie früher und die Eurofinanzminister sitzen sofort im sinkenden Boot, in das sie selbst das Loch gebohrt haben.
    Die Griechen haben das gleiche Problem wie wir Bürger auch. Nur sie betrachten es von einer anderen Seite. So viele "alternativlos" handelnde verantwortungslose Politiker kann kein Land vertragen oder ertragen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%