Wechsel in Washington
Bush ernennt konservativen Kritiker zu seinem Sprecher

Nach mehreren Kabinettsumbildungen hat die US-Regierung jetzt auch ein neues Gesicht und eine neue Stimme für die Öffentlichkeit.

NEW YORK. Präsident George W. Bush ernannte gestern den Fernseh- und Radiomoderator Tony Snow zu seinem neuen Pressesprecher. Snow folgt Scott McClellan, der vergangene Woche nach drei Jahren seinen Rücktritt eingereicht hatte. Treibende Kraft für die Veränderungen in der Administration ist der gerade ernannte Stabschef Joshua Bolten. Er hat sich vorgenommen, mit neuem Personal frischen Wind in die Regierung zu bringen und so den Präsidenten aus dem Umfragetief zu holen.

Mit dem 50-jährigen Star-Journalisten holt Bush jetzt nicht nur ein neues Gesicht in seine Regierungsmannschaft. Snow gilt zudem als meinungsfreudiger Konservativer, der sich in seinen Radio- und Fernsehshows nicht gescheut hat, den Präsidenten hart zu attackieren. Im November schrieb er in einer Kolumne: „Sein (Bushs) schwankender Konservatismus ist zu einem Problem für die Republikaner geworden. Sie wünschten, er würde sich nicht mehr unter dem Bett verkriechen und endlich zurückschlagen (…). Der neue passive George Bush ist zu einer Art Peinlichkeit geworden.“ In einem anderen Fall bezeichnet der in Cincinnati geborene Journalist die innenpolitische Agenda des Präsidenten als „glanzlos“. Künftig wird Snow genau diese Politik verteidigen müssen.

Die bissigen Bemerkungen über Bush und andere Zitate machten gestern bereits im Internet die Runde und dürften den neuen Pressesprecher und seinen Chef in Verlegenheit bringen. „Tony war in der Vergangenheit manchmal anderer Meinung als ich“, sagte Bush im Vorgriff auf die zu erwartenden Sticheleien. „Ich habe ihn nach diesen Kommentaren gefragt. Und er antwortete, ich hätte mal hören sollen, was er über die anderen (Demokraten) geäußert hat.“ Snow selbst ließ keinen Zweifel an seiner Loyalität aufkommen: „Ich glaube an diesen Präsidenten“, sagte der neue Sprecher bei seinem ersten Auftritt vor der Presse im Weißen Haus. Zum Unmut der versammelten Reporter beantwortete er jedoch keine Fragen.

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