Wechselkurse
China will bei geringer Yuan-Aufwertung bleiben

Seit langem war der Schritt von den führenden Industriestaaten gefordert worden. Nun hat China mit seiner Yuan-Aufwertung für flexiblere Wechselkurse gesorgt. Eine weitere bedeutende Anpassung ist aber offenbar nicht geplant. US-Ökonomen entwickeln unterdessen Schreckensszenarien.

HB PEKING/WASHINGTON. Die amtliche chinesische Zeitung "China Daily" verkündete am Freitag in einem Leitartikel: "Die Erwartung einer größeren Aufwertung des Yuan war unrealistisch und wird es bleiben. Nach der leichten Aufwertung der chinesischen Währung werde es dem Bericht zufolge keine bedeutenden weiteren Anpassungen des Yuan geben.

Am Donnerstag hatte die chinesische Nationalbank erklärt, China werde die feste Bindung des Yuan an den Dollar aufgeben und künftig kontrollierte Wechselkursschwankungen zu einem Währungskorb zulassen. Dieser Schritt wurde seit längerem gefordert. So plädierten die führenden sieben Industriestaaten (G-7) bereits seit Jahren für eine Flexibilisierung.

Dementsprechend begrüßten die G-7-Länder, zu denen Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA gehören, die Yuan-Aufwertung. „Der flexiblere Wechselkurs wird zu einem globalen Wirtschaftswachstum und zu Stabilität beitragen“, erklärten die Staaten.

Vor allem die USA haben China in der Vergangenheit vorgeworfen, sich mit einem künstlich niedrigen Kurs unfaire Handelsvorteile zu verschaffen. US-Notenbankchef Alan Greenspan bezeichnete die leichte Aufwertung als einen positiven ersten Schritt und äußerte sich zuversichtlich, dass weitere Anpassungen folgen würden.

Zahlreiche US-Ökonomen haben die Yuan-Aufwertung indes skeptisch beurteilt. Denn die Latte der Probleme, für die die Amerikaner die künstlich niedrig gehaltene chinesische Währung Yuan verantwortlich gemacht haben, ist durch die geringe Aufwertung von 2,1 Prozent kaum kürzer geworden.

"Es könnte für die USA richtig hässlich werden", urteilt denn auch Nouriel Roubini, Professor an der Stern Business School in New York bei einem Internet-Auftritt des "Wall Street Journal". Durch einen Abwärtsdruck auf den Dollar und einen Aufwärtsdruck auf die Zinsen könnten die USA leicht in die Bredouille kommen.

Außerdem meint Roubini, ein schwindendes Interesse der chinesischen Regierung an Dollaranleihen, mit dem ein Großteil des US-Haushaltsdefizit finanziert werde, ausmachen zu können. Jede Yuan-Aufwertung bringe Verluste. China halte nach Japan die zweithöchsten ausländischen Währungsreserven der Welt, mehr als 700 Milliarden Dollar. 500 Milliarden davon, schätzt Roubini, würden in Dollar gehalten. „Eine Yuan-Aufwertung um zehn Prozent bedeutet einen Kapitalverlust von 50 Milliarden Dollar“, rechnet er vor.

Das könnte auch ein Grund für steigende Zurückhaltung privater asiatischer Investoren gegenüber dem Dollar sein. Das setze den Dollar unter Druck und könne die US-Notenbank zu stärker als gewollten Zinserhöhungen drängen, um den Dollar attraktiv zu halten, meint David Altig aus der Forschungsabteilung der Notenbank von Cleveland. „Das wird negative Auswirkungen auf die zinssensiblen Sektoren haben, die lange von dem billigen Geld profitiert haben“, sagte er voraus.

US-Ökonomen verweisen außerdem darauf, dass auch für China eine Politik der kleinen Schritte nicht ohne Risiken sei. "Das erweckt die Erwartung weiterer Bewegungen, was den Zufluss spekulativer Gelder noch erhöhen könnte", meint Nicholas Lardy vom "International Institute of Economics" in der "Washington Post". Er findet: "Ein riskanter Schritt."

Auch US-Unternehmer beklagen, der künstlich billig gehaltene Yuan dränge US-Firmen auf dem Weltmarkt unfair ab. Dass eine so winzige Anpassung das ändern könnte, glauben selbst Optimisten nicht. Ökonomen schätzen nach einer Umfrage des "Wall Street Journal", dass der Yuan um 20 bis 30 Prozent steigen müsste, ehe das spürbar sei.

Und dass die Teuerung chinesischer Waren nun die US-Importe bremst, die chinesische Lust auf "Made in USA" aber anheizt, ist auch fraglich. Das Handelsdefizit der USA mit China stieg im Mai auf 15,75 Milliarden Dollar, mehr als ein Viertel des Gesamtdefizits.

Mit dem chinesischen Schritt sei es eben nicht getan, meint Professor Roubini. Die US-Regierung müsse ihr Scherflein zum Abbau der internationalen Ungleichgewichte beitragen, etwa, indem sie die unhaltbaren Steuersenkungen zurücknehmen, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. "Wenn das nicht passiert, steigt das Risiko einer harten Landung der amerikanischen und der Weltwirtschaft erheblich", warnt Roubini.

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