Wechselkurse
G-7 äußern sich deutlich zu Wechselkursschwankungen

Die sieben führenden Industrieländer (G-7) haben sich in bisher nicht gekannter Deutlichkeit über die immer heftigeren Wechselkursschwankungen geäußert.

HB WASHINGTON. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7 änderten in der Abschlusserklärung ihres Treffens am Freitag in Washington ihre Sprache zum Thema Währungsgeschehen im Vergleich zu den vergangenen Jahren grundlegend. Bundesbank-Präsident Axel Weber sprach von einer „Weiterentwicklung“ der G-7-Äußerungen zum Thema Währungen, die an den Märkten regelmäßig mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt werden. Die Rede ist nunmehr von „scharfen Schwankungen“ im Kursverhältnis der wichtigsten Währungen, die die Wirtschafts- und Finanzstabilität bedrohen könnten.

Damit gaben die G-7 angesichts eines immer stärker werdenden Euro, der inzwischen der 1,60-Dollar-Marke nahe kam, und eines immer schwächeren Dollars ein neues Signal an die Märkte. Die Euro-Stärke hatte gerade in Europa und speziell in Frankreich immer lautere Kritik und Forderungen ausgelöst, dagegen vorzugehen. Sogar über mögliche Interventionen wurde an den Märkten schon spekuliert. Dazu aber äußerten sich die G-7 erwartungsgemäß nicht. Allerdings wurde das Währungsthema auf dem Ministertreffen vom Megathema Finanzkrise und einer geeigneten, gemeinsamen Gegenreaktion weitgehend überdeckt.

„Seit unserem letzten Treffen, ist es zwischenzeitlich immer wieder zu scharfen Wechselkursschwankungen unter den wichtigsten Währungen gekommen. Wir sind besorgt über deren mögliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität“, hieß es in der Abschlusserklärung. Im Satz davor stellten die G-7 zudem klar: „Wir unterstreichen erneut unser gemeinsames Interesse an einem starken und stabilen internationalen Wirtschafts- und Finanzsystem.“ Die neue Formulierung bedeutet die größte Änderung in der Sprache bei diesem Thema, die die G-7-Minister seit ihrer Konferenz von Boca Raton im Jahre 2004 vorgenommen haben. Damals und seitdem immer wieder war lediglich in allgemeiner Form Sorge geäußert worden, dass übermäßige Schwankungen an den Devisenmärkten das Wachstum beeinträchtigen könnte. Dies wird nun durch eine direktere Formulierung ersetzt.

„Diese Änderung der Sprache der G-7 beim Thema Wechselkurse zeigt das Maß der Besorgnis, wie es seit einigen Jahren nicht mehr zum Ausdruck gebracht wurde“, sagte Italiens Wirtschaftsminister Tommaso Padoa-Schioppa. Allerdings ließen die G-7-Minister und Notenbankchefs offen, wie sie ihren sprachlichen Schwenk im Einzelnen interpretiert wissen wollen. Sie ließen damit auch weiter offen, ob und gegebenenfalls welche Änderungen bei den Wechselkursen sie sich wünschen würden. „Das ist wie ein Gedicht: es spricht für sich selbst“, erklärte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet. Bei den Währungshändlern könnte die neue Form Unsicherheit auslösen. Für sie bleibt etwa weiter offen, ob der Schwächephase des Dollars nun bald ein Ende gesetzt werden soll. US-Finanzminister Henry Paulson jedenfalls bekannte sich zu einem starken Dollar - nicht zum ersten Mal. Mit ihrer bisherigen Form der Kommentierung des Währungsgeschehens jedenfalls war die G-7 offenbar in eine Sackgasse geraten. Sie hatte kaum noch Wirkung. Die neue Sprache soll das nun ändern. Diese Hoffnung äußerte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde.

Das allgemeine, aber offenbar wirkungslose Bekenntnis, dass die Wechselkurse die wirtschaftlichen Fundamentaldaten folgen sollten, haben die G-7 offenbar erst einmal zu den Akten gelegt. Und auch die langjährige Versicherung, dass man das Währungsgeschehen aufmerksam verfolgen werde und gegebenenfalls in geeigneter Form kooperieren werde, war nicht mehr Bestandteil des G-7-Kommuniques von Washington. Die Staatengruppe besteht aus den USA, Kanada, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien.

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