Wegen Dalai Lama
China lässt deutschen Botschafter antreten

Die Führung in Peking reagiert gereizt auf die Absicht von Angela Merkel, den Dalai Lama im Bundeskanzleramt zu empfangen. Wegen des „privaten Gedankenaustausches“ muss sich der deutshe Botschafter in China eine diplomatisch wohl verpackte Standpauke anhören.

ink/HB BERLIN. Das Auswärtige Amt bestätigte dem Handelsblatt, dass Botschafter Michael Schaefer nach Bekanntwerden des geplanten Treffens einbestellt wurde. China hat von der Bundesregierung bereits mehrfach ein Einreiseverbot für das im Exil lebende religiöse und weltliche Oberhaupt der Tibeter nach Deutschland gefordert. Dies wurde auch von früheren Bundesregierungen stets abgelehnt. Peking betrachtet Tibet als chinesische Provinz und sieht in dem seit 1959 im indischen Exil lebenden Dalai Lama einen Separatisten.

Merkel ist jedoch die erste Kanzlerin, die den Dalai Lama empfängt. Das Treffen wird in Berlin aber als privater Gedankenaustausch mit einem Religionsführer und nicht als politisches Treffen bezeichnet. Das einstündige Gespräch mit dem Friedensnobelpreisträger soll nach Angaben des Bundespresseamtes am Sonntag in einer Woche stattfinden.

Regierungsssprecher Ulrich Wilhelm sagte, Kanzlerin Merkel sehe das Treffen im Rahmen ihrer Zusammenkünfte mit Religionsführern im Bundeskanzleramt. Die Visite des Dalai Lama stehe in der Kontinuität dieser Treffen. Es ist nicht das erste Mal, dass Merkel den Chef der tibetischen Exilregierung trifft. Sie hatte ihn bereits am 17. Juni 2005 als CDU-Vorsitzende empfangen. 1990 wurde er von dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker empfangen.

Auch Empfänge in Amtssitzen als solche sind nicht neu: Außenminister Joschka Fischer begrüßte den Dalai Lama 1999, 2003 und 2004 im Auswärtigen Amt. Das Treffen 2003 verband der Dalai Lama mit einer Visite bei Bundestagspräsident Wolfgang Thierse. Amtsvorgänger Klaus Kinkel irritierte den tibetischen Gast jedoch, weil der FDP-Politiker die Annahme des Gebetsschals aus weißer Seide, der traditionell überreicht wird, verweigerte.

Die tibetische Exilregierung führt über die Besuche des Dalai Lama akribisch Liste. Danach sprach er 1954 auch mit Mao Tse Tung und seit 1956 mit allen Präsidenten, Vizepräsidenten und Ministerpräsidenten des Gastlandes Indiens. Die umfangreiche Liste enthält Treffen mit US-Präsidenten, Päpsten, Königen, Staats- und Regierungschefs zahlreicher Länder.

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