Wegen gescheitertem EU-Hilfsfonds
Sarkozy attackiert Merkel in Finanzkrise

Der französische Präsident Nicolas Sarkozy will nicht dafür verantwortlich sein, dass seine Idee für einen EU-Fonds zur Bankenrettung gescheitert ist: Für den „Fehlschlag“ des Vierer-Gipfels am Wochenende in Paris sei Bundeskanzlerin Angela Merkel verantwortlich. Aus Deutschland gibt es derweil konkrete Vorschläge für Regeln auf den internationalen Finanzmärkten.

HB PARIS/BERLIN. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy macht einem Pressebericht zufolge Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für die geringe Wirkung des Vierer-Gipfels vom Wochenende zur Finanzkrise verantwortlich. „Das ist vielleicht ein Fehlschlag, aber es ist nicht meiner“, habe Sarkozy vor Gesprächspartnern am Montag gesagt, berichtete die am Mittwoch erscheinende Wochenzeitung „Le Canard Enchaîné“. „Es ist der von Merkel“, fügte er hinzu.

Merkel sei es gewesen, die keinen EU-Fonds zur Bankenrettung gewollt und darauf gedrungen habe, dass sich jeder selbst um seine Probleme kümmern solle. Tags darauf habe sie dann das Rettungspaket für die Hypo Real Estate im Wert von 50 Mrd. Euro schnüren müssen.

Der amtierende EU-Ratsvorsitzende Sarkozy hatte am Samstag die Staats- und Regierungschefs der europäischen G8-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien zu einem Gipfel geladen, um die Finanzkrise zu entschärfen. Laut der Zeitung hatte Merkel damit gedroht, das Treffen platzen zu lassen, nachdem die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am Donnerstag im Handelsblatt für die Idee eines Rettungsfonds nach US-Vorbild geworben hatte. Auf Merkels Druck habe Sarkozy den Vorschlag dementieren müssen, sonst wäre die Kanzlerin nicht zu dem Gipfel gekommen, hieß es in dem Bericht.

Lagarde habe sich wegen des Interviews von Sarkozy eine kräftige Standpauke anhören müssen, berichtete die Zeitung weiter. „Du hast mir bei Merkel Chaos angerichtet“, habe der Präsident der Ministerin laut seinen Beratern am Telefon vorgeworfen. „Es steht Dir nicht zu, dich in einer deutschen Zeitung zu äußern. Ich bin es, der redet.“ Tags darauf seien in Paris dann Gerüchte über eine Ablösung der Ministerin kursiert.

In der deutschen Bundesregierung wird indessen über weitere Konsequenzen aus der Finanzkrise nachgedacht. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) will beispielsweise die anderen führenden Industrieländer für schärfere Regeln bei der Haftung von Bankmanagern gewinnen. In einem am Mittwoch in Berlin bekanntgewordenen Brief an die anderen G7-Länder fordert Steinbrück, dass Finanzmanager stärker persönlich haftbar gemacht werden müssten.

„Es ist in der aktuellen Situation einfach unmöglich, der Öffentlichkeit zu erklären, warum Entscheidungsträger in den Unternehmen nicht für Fehleinschätzungen verantwortlich gemacht werden.“ Diese Manager würden stattdessen in Einzelfällen immer noch mit Millionenabfindungen verabschiedet. Es seien internationale Standards für eine stärkere persönliche Haftung nötig.

Der Vorstoß Steinbrück ist Teil eines Acht-Punkte-Plans für neue „Verkehrsregeln“ auf den internationalen Finanzmärkten. Er will diesen Vorschlag beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrieländer (G7) an diesem Freitag in Washington unterbreiten. Die G7-Länder USA, Deutschland, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien und Kanada treffen sich vor der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank am Wochenende. Beherrschendes Thema werden auch dort die Finanzmarktkrise und Auswirkungen auf die Wirtschaft weltweit sein.

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