Wegen Militärübungen
Nordkorea droht mit Krieg – mal wieder

Nordkorea bricht jede Kommunikation mit Südkorea ab und droht wieder einmal mit Krieg. Grund ist ein gemeinsames Militärmanöver des Südens mit den USA. Dazu kommt die Ankündigung Japans, Raketen aus Richtung Nordkorea abzuschießen, sobald sie sich dem eigenen Luftraum nähern – egal, ob es sich um einen zivilen Satellitenstart handelt oder um den Test einer Interkontinentalrakete.

TOKIO. „Wir werden sofort zurückschlagen, wenn unsere friedlichen Flugkörper abefangen werden. Das bedeutet Krieg“, sagte ein Mitglied des Generalstabs in Pjöngjang der staatlichen nordkoreanische Nachrichtenagentur zufolge. Die Armee bereite sich auf eine Mobilisierung vor. Zugleich gab Nordkorea bekannt, dass der Machthaber im Lande, Kim Jong-Il, mit 100 Prozent Zustimmung in seinem Wahlkreis wiedergewählt wurde. Die Wahl gilt als Farce. Der Sieg der Kommunistischen Arbeiterpartei steht schon vorher fest.

Der neue Sonderdiplomat der USA für die Verhandlungen mit Nordkorea hängte die Erwartungen für die Aufnahme von Verhandlungen mit Pjöngjang in diesem Klima entsprechend niedrig. Er mache sich keine Illusionen über die Erfolgsaussichten seiner Mission, sagte Stephen Bosworth sinngemäß in Seoul. Bosworth hat bereits als Botschafter in Südkorea gedient und genießt das Vertrauen der neuen US-Außenministerin Hillary Clinton. Als Beauftrager der Regierung Barack Obama für einen der weltweit gefährlichsten Krisenherde hat er die Aufgabe, Nordkorea zur atomaren Abrüstung zu bewegen. Südkoreas Präsident Lee Myung-Bak will Bosworth am heutigen Montag treffen.

Bis Montag verband ein rotes Telefon hohe Militärstellen Nord- und Südkoreas. Ziel war ursprünglich, heraufziehende Konfrontationen abwenden zu können. Die beiden Länder befinden sich seit 1950 im Krieg. Derzeit gilt auf der koreanischen Halbinsel nur ein Waffenstillstand. Die USA haben dort knapp 30 000 Soldaten stationiert. Seit einem selbst proklamierten Atomtest im Oktober 2006 versuchen Vertreter Südkoreas, Russlands, der USA, Japans und Chinas die Nordkoreaner in Sechsparteiengesprächen zum Einlenken zu bewegen. Der Vorsitzende Kim scheint seine Trumpfkarte jedoch nicht so ohne weiteres aus der Hand geben zu wollen und machte für jeden Schritt vorwärts wieder einen Schritt zurück.

Nordkorea droht regelmäßig mit Krieg und kündigt dann oft auch die völlige Vernichtung seiner Feinde an. „Es ist widersinnig, einen normalen Kommunikationskanal offen zu halten, wenn sich die südkoreanischen Marionetten eifrig auf einen Krieg vorbereiten und ihre Gewehre auf ihre Brüder und Schwestern richten“, begründete der Norden die Schließung der Militärhotline. An der jährlichen Übung nehmen die US-Soldaten inklusive eines atomgetriebenen Flugzeugträgers sowie große Einheiten der südkoreanischen Armee Teil.

Da seit Dezember die Grenze geschlossen ist, kommen auch Berufspendler nicht mehr an ihre Arbeitsplätze in der nordkoreanischen Sonderwirtschaftszone Kaesong auf dem Gebiet Nordkoreas. Südkoreanische Unternehmen profitierten dort von billiger Arbeitskraft und unterstützten zugleich die beginnende Anbindung des Nordens an die Welt. Diese Pläne stehen seit einem härteren Kurs Südkoreas unter Präsident Lee still. Auch ein Tourismusprogramm mit Ausflügen in ein Erholungsgebiet um die Diamantenberge im Norden steht still. Nach Auskunft der Betreibergesellschaft Hyundai Asan hat dies bisher Kosten von über 100 Mrd. Won (50 Mill. Euro) verursacht.

Die Wahl zur nordkoreanischen Volksversammlung war seit mehr als einem halben Jahr überfällig und fand schließlich am Wochenende statt. Im vergangenen August erlitt Kim offenbar einen Schlaganfall, was die Verschiebung erklärt. Der Machthaber hat sich inzwischen jedoch weit genug erholt, um bei der Wahl seine Stimme abgeben zu können. Die einstimmigen Wiederwahl zeige die „unbeirrbare Entschlossenheit des Volkes zum hingebungsvollen Schutz“ des Staatschefs, wie Nordkorea mitteilte. Die Oberste Volksversammlung dient dazu, um Entscheidungen der regierenden Einheitspartei abzunicken. Es gilt als sicher, dass Kim auch seine Schlüsseposition als Chef der Militärkommission behält.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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