Wegen Schikane
Mitt Romney in Bedrängnis

Nachdem US-Präsident Obama sich für die Schwulen-Ehe eingesetzt hat, wird jetzt bekannt, dass sein Herausforderer Mitt Romney als Teenager vermutlich einen schwulen Mitschüler misshandelt haben soll.
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WashingtonDer voraussichtliche republikanische US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney gerät wegen der Schikane eines schwulen Mitschülers vor knapp 50 Jahren in Bedrängnis. "Ich habe mich während der Schulzeit an viel Blödsinn und dummen Jungenstreichen beteiligt, und einige sind vielleicht zu weit gegangen", sagte Romney am Donnerstag in einer Radiosendung. "Ich habe einige dumme Sachen gemacht und falls irgendjemand dadurch verletzt oder sich beleidigt gefühlt haben sollte, dann entschuldige ich mich natürlich."

Romney reagierte damit auf einen Bericht der "Washington Post" über einen Vorfall an seiner High-School-Zeit 1965. Dabei soll Romney zusammen mit Freunden einen damals noch nicht als schwul geouteten Mitschüler schikaniert und misshandelt haben. Die Geschichte erschien einen Tag, nachdem US-Präsident Barack Obama sich erstmals öffentlich für die Homo-Ehe ausgesprochen hatte. Das Thema dürfte den US-Wahlkampf weiter anheizen.

In der konservativen Radio-Talkshow betonte Romney, er könne sich nicht an den Vorfall erinnern. Er habe damals auch nicht gedacht, dass dieser Mitschüler schwul sein könnte. "Man sagt sich natürlich, damals in der High School, da habe ich wirklich ein paar dumme Sachen gemacht", sagte Romney. "Aber letztendlich liegen die Jahre an der High School nun schon lange zurück. Und ich bin froh, dass ich einige gute Freunde aus dieser Zeit habe."

Die "Washington Post" interviewte nach eigenen Angaben mehrere frühere Klassenfreunde des Republikaners, die sich alle daran erinnerten, dass Romney der Anführer des Angriffs auf ihren Mitschüler John Lauber gewesen sei. Die Gruppe hätte ihn zunächst zu Boden gestoßen und ihn dort festgehalten. "Als Lauber mit den Tränen rang und um Hilfe schrie, schnitt Romney ihm mit einer Schere mehrere Bündel Haare ab", schrieb die Zeitung. Lauber habe damals lange und teils blondierte Haare getragen, was Romney und seine Freunde offensichtlich nicht tolerieren konnten. Lauber outete sich erst nach seiner Schulzeit als homosexuell, er starb 2004 an Krebs.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wegen Schikane: Mitt Romney in Bedrängnis "

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  • Es ist schon höchst interessant, aber auch bedenklich, dass diese Nachricht über Romney einen Tag nach der Aussage von Obama, in der er die Home-Ehe unterstützt, veröffentlich wird. Dabei kann es sich nicht um einen Zufall handeln. Gerade zu lächerlich und niveaulos erscheint es nun, dass ein Vorfall aus der Jugend Romney´s, der vor 50 Jahren stattgefunden haben soll, nun ihn diffamieren soll. Man kann nur hoffen, dass die USA ihren Werten hinsichtlich der Familie bei der Wahl 2012 treu bleiben werden.

  • Es ist Wahlkampf in den USA. Ein riesiges Team von Strategen und Kämpfern forscht emsig nach dunklen Flecken im Leben des Kontrahenden. Dann gibt es ein Drehbuch und eine Handlung. Es ist sicher kein Zufall, dass sich Obama (den ich bisher sehr schätze) einen Tag vor der Veröffentlichung in der Washington Post zum Thema Homosexualität positioniert. Ob es dabei um das Thema selbst geht, ist fraglich. Aber wer möchte sich schon gerne mit jemandem identifizieren, der in der Schulzeit (und vielleicht auch später) Menschen in seiner Umgebung gemobbt hat, weil deren Meinung nicht zu seinem Weltbild passten? Kann so jemand Präsident werden? Es ist Wahlkampf in den USA.

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