Wegen US-Geisel
CIA verhandelte mit syrischem Geheimdienst

Seit fünf Jahren sitzt ein amerikanischer Journalist in syrischer Geiselhaft. Deshalb habe der CIA-Direktor Pompeo direkten Kontakt zu seinen Geheimdienst-Kollegen in Damaskus aufgenommen, berichten US-Medien.
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WashingtonDer CIA-Direktor Mike Pompeo soll laut einem Medienbericht ein heimliches Gespräch mit dem syrischen Geheimdienstchef Ali Mamluk geführt haben. Dabei sei es um die Freilassung eines amerikanischen Journalisten gegangen, der vor fünf Jahren in Syrien als Geisel genommen wurde, berichtete die „New York Times“ am Freitag. Demnach gab es im Februar eine entsprechende Unterhaltung am Telefon, und auch danach sei es zu weiterer Kommunikation gekommen. Die diplomatischen Bemühungen seien aber im April eingebrochen.

Bei der Geisel handelt es sich um Austin Tice, einem früheren Mitglied der US-Marine und Reporter für die „Washington Post“, den Sender CBS und andere Medien. Die Kommunikation zwischen den Geheimdienstchefs kam laut „New York Times“ zum Erliegen, nachdem US-Präsident Donald Trump eine Art Vergeltungsschlag für einen Giftgasangriff anordnete, den mutmaßlich die syrische Regierung auf ein Dorf mit Zivilisten verübte. Nach der Attacke mit Saringas hatten die USA am 7. April rund 60 Marschflugkörper auf einen syrischen Luftwaffenstützpunkt gefeuert.

Tice verschwand im Jahr 2012, während er in der Nähe von Damaskus arbeitete. Einen Monat nach seiner Entführung wurde ein Video veröffentlicht, das ihn mit verbundenen Augen zeigte, er sagte darin „Oh, Jesus“. Seither gibt es keine Informationen über ihn. Die Vereinigten Staaten gehen davon aus, dass er sich eventuell in Gefangenschaft der syrischen Regierung befindet. Der syrische stellvertretende Außenminister hingegen sagte in einem Interview der Nachrichtenagentur AP im vergangenen Jahr, Tice sei nicht in den Händen der syrischen Behörden.

Die CIA wollte den Bericht der „New York Times“ nicht kommentieren. Die Kommunikation würde eine der bedeutendsten darstellen, die die jeweiligen Regierungen seit Jahren des Stillstands miteinander führten. Sie kommt mit Blick auf Mamluks mutmaßlicher Verantwortung für diverse Menschenrechtsverletzungen in Syrien zudem überraschend; seit 2011 haben ihn die USA mit Sanktionen belegt.

Der Artikel folgte auf die jüngste Bestätigung von US-Behörden, mit Nordkorea über die Freilassung des Studenten Otto Warmbier verhandelt zu haben. Der 22-Jährige, der in Haft ins Koma fiel, starb am vergangenen Montag zurück in seiner Heimat.

Unabhängig voneinander zeigen die Fälle die geheimen Kommunikationsbestrebungen der Trump-Regierung mit zwei hartnäckigen Gegnern. Der US-Präsident hat Nordkorea mit einem militärischen Vorgehen gedroht. Pjöngjang hat das Ziel, die USA mit einer nuklearen Langstreckenrakete zu treffen. Die syrische Regierung von Präsident Baschar al-Assad ist aus Sicht der Vereinigten Staaten ein bedeutender Sponsor für Gruppen wie die Hisbollah, die gegen die USA und Israel agieren.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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