Wegen US-Schuldenstreit
China schürt die Angst vorm Absturz

China schaltet sich in das Gezerre um die Anhebung der US-Schuldenobergrenze ein: Das Land verurteilt das politische Hickhack und warnt vor Horrorfolgen für die Weltwirtschaft. Auch Experten sind beunruhigt.
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PekingChina sieht in dem Schuldendrama in den USA eine „waghalsige Politik“, die den Rest der Welt mit in den Abgrund ziehen könnte. Das Kräftemessen zwischen Kongress und Weißem Haus könnte leicht außer Kontrolle geraten, fand ein Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. „Ein solches politisches Spiel mit dem Feuer in Washington ist gefährlich unverantwortlich.“ Es gehe das Risiko ein, dass die noch schwache wirtschaftliche Erholung nicht nur in den USA, sondern in der ganzen Welt wieder stranguliert werde. Kommentator Deng Yushan warnte vor einer zweiten Rezession - „nur könnte es diesmal eine viel größere Sauerei werden“. Es drohe eine Rezession wie die von 2008, die auch in den USA ausgelöst worden sei. Damals, im September 2008, gingen, ausgelöst durch den Zusammenbruch der Bank Lehman Brothers, schwere Schockwellen durch die internationalen Finanzmärkte. Washington müsse daher endlich „ein bisschen globales Verantwortungsgefühl“ zeigen.

Besonders die potenziell gefährlichen Auswirkungen der Krise auf die Weltwirtschaft beunruhigen den Exportweltmeister. Der größte ausländische Kreditgeber der USA muss sich allerdings keine Sorgen machen, wenn die US-Regierung nächste Woche nicht mehr zahlungsfähig wäre. „Es wäre nur ein technischer Verzug - nicht einer, der durch Insolvenz verursacht ist“, erläuterte der US-Finanzprofessor Michael Pettis von der Guanghua-Managementschule der Peking Universität. „Im schlimmsten Fall bekommen sie ihr Geld später - aber mit vollen Zinsen“, sagte Pettis der Nachrichtenagentur dpa. Selbst am US-Anleihenmarkt gebe es keine Sorge über etwaige Ausfälle.

China hat gigantische 1,152 Billionen US-Dollar in amerikanische Schatzanleihen investiert. Der Grund sind die mit Abstand weltgrößten Devisenreserven, die China durch seine Handelsüberschüsse ansammelt: 3,2 Billionen US-Dollar (2,3 Billionen Euro). China verkauft seine Waren in den USA, investiert die eingenommenen US-Dollar wieder in US-Anleihen und und schafft damit neue Liquidität in den USA.

Der Kreislauf ist notwendiger Bestandteil des chinesischen Handels- und Wachstumsmodells. Überhaupt ist nur der amerikanische Anleihenmarkt auch groß genug, um solche Mengen an US-Dollars aufzunehmen.

Sowohl das Exportland China als auch das Schuldenland USA stützen ihr Wirtschaftsmodell schon lange auf diesen Mechanismus. Doch die gewaltigen Ausfuhrüberschüsse in China sind ebenso ungesund wie die hohen Schulden in den USA, was seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 augenfällig wurde. China hält zudem noch den Wert seiner Währung gegenüber dem US-Dollar niedrig, was seine Waren auf ausländischen Märkten verbilligt. Es fürchtet, dass die geforderte Aufwertung des Yuan viele Arbeitsplätze in seiner Exportindustrie kosten würde.

Kommentare zu " Wegen US-Schuldenstreit: China schürt die Angst vorm Absturz"

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  • Ihren Beitrag kann ich überwiegend zustimmen, bis auf einen Satz: "Unseren Freunden"......

  • Natürlich werden die USA eine Lösung in letzter Sekunde auf den Tisch legen. Was anderes bleibt ihnen ja gar nicht mehr übrig. Es sei denn sie wollen das die Welt sie als Verlierer sieht. Und das wäre der größte Schmerz für die US-Amerikanische Seele.

    Die USA haben ein Dilemma.
    In die Krise hinein Sparen verschärft die Krise.
    Sie brauchen wie in GRL auch eine Art Aufbauplan.
    Gleichzeitig muss die Regierung unsinnige Kosten wie Kriege, ständige Aufrüstung etc. abbauen.

    Schaffen die USA das nicht, wird in ihrem Land Armut in der Bevölkerung zur Tagesordnung werden. Die Wirtschaft wird nicht wieder auf die Beine kommen, wovon auch? Die Leute haben keine Jobs und Leben von Lebensmittelmarken.

    An grundlegenden Reformen in den USA, aber auch in der EU-Zone führt kein Weg mehr vorbei. Die Systeme sind nicht auf den Turobokapitalismus ausgelegt, sie schaffen es nicht diesen auf ein vernünftiges Maß zurück zu Schneiden. Die Folgen sind Schulden die unübersehbar viel werden.

    Es ist mehr als nur an der Zeit die Märkte vernünftig zu Regulieren, neu zu justieren. Weltweit. Sonst droht eine richtige Weltwirtschaftskrise, die alles mit sich reißt.

    Ich vermute mal das Merkel auf dem nächsten G20 Gipfel einen neuen Versuch startet allen Ländern klar zu machen was passiert wenn wir uns den Märkten weiterhin hingeben.

    Mit Verwunderung stelle ich fest das die Reps. in den USA den Armen das Geld weg nehmen wollen. Sie wollen offensichtlich die Krise noch mehr verschärfen, das Land ausbluten lassen.

    Komisch ist auch für die USA- man denkt in Problemen- und nicht in Lösungen.
    Das ist gänzlich unamerikanisch, und sehr ungewohnt.

    Ich hoffe das in der US Regierung Vernunft einkehrt.
    Das sie auf die hervorragenden Ökonomen, die sie in ihrem Land haben, die mehrfach den Nobelpreis erhalten haben hören werden.

    Zu Wünschen wäre es unseren Freunden in Übersee.

  • die kann man ja als marionetten des US-Kapitalismus bezeichnen. Die raffen überhaupt nichts. stattdessen bilden sie sich ein, wie bernanke, den wohlstand erzwingen zu können. Die müssen ganz einfach ökonomisch draufkriegen, anders geht das nicht. Und das werden sie auch, die Probleme rollen schon an. Dann werden wir ja sehen ob das wachstums-Wunderkind nicht plötzlich Nrgativwachstum erleiden wird. der ganze "Aufschwung" der letzten Jahre ist doch ein reiner betrug unter Gaunern.

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