Wegen verbrannter Flagge: Terrormiliz IS verschleppt 170 Männer

Wegen verbrannter Flagge
Terrormiliz IS verschleppt 170 Männer

Irakische Dorfbewohner sollen eine Flagge der Terrormiliz IS verbrannt haben – und wurden dafür von den Dschihadisten bestraft. Indes versuchen die Extremisten offenbar, im Libanon Fuß zu fassen.
  • 0

Kirkuk/Kauthariet AssijadMilizen der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) haben im Irak zahlreiche Dorfbewohner verschleppt, weil diese eine Fahne der Dschihadisten verbrannt haben sollen. Wie am Samstag aus irakischen Sicherheitskreisen verlautete, überfielen Dutzende extremistische Kämpfer in 30 Fahrzeugen am Freitagabend zwei Orte westlich der Ölstadt Kirkuk und entführten dort 170 Männer. Ihre Gefangenen brachten sie in den nahe gelegenen Bezirk von Hawidscha, wo sie sich als „Abtrünnige“ vor einem Scharia-Gericht verantworten müssten.

IS-Milizen hatten im Juni des vergangenen Jahres weite Teile des Nordiraks erobert. Inzwischen geraten sie wegen internationaler Luftschläge sowie kurdischer und irakischer Gegenwehr zunehmend unter Druck.

Dafür versuchen die Extremisten nach Erkenntnissen der libanesischen Sicherheitsorgane auch im Nachbarland Syriens Fuß zu fassen. Sie wollten die Kontrolle über Dörfer im Grenzgebiet erlangen, um ihre Kampfstellungen in den Kalamun-Bergen in Syrien unterstützen zu können, sagte der Chef des Amtes für Allgemeine Sicherheit Libanons, Generalmajor Abbas Ibrahim, der Nachrichtenagentur Reuters.

Die libanesischen Streitkräfte seien in höchster Alarmbereitschaft, um zu verhindern, dass die IS-Kämpfer libanesisches Staatsgebiet eroberten. Das Land befürchtet, es könnte durch Überfälle des IS weiter in den Krieg in Syrien hineingezogen werden.

Die Kämpfe sind in den vergangenen Jahren immer wieder von dort aus nach Libanon übergeschwappt. 2014 hatten IS-Kämpfer und syrische Al-Kaida-Extremisten die Grenzstadt Arsal angegriffen und libanesische Soldaten gefangen genommen. Auch in der Küstenstadt Tripoli kam es zu Kämpfen zwischen Soldaten und IS-Extremisten.

Kürzlich habe der IS seine Kämpfer im Gebiet des Kalamun-Gebirges deutlich verstärkt, um Teile des libanesischen Grenzlandes unter seine Kontrolle zu bringen, sagte Ibrahim. 700 neue Kämpfer seien hinzugekommen, so dass jetzt mehr als 1000 in den syrischen Kalamun-Bergen zusammengezogen seien.

Der Islamische Staat hat in Teilen Syriens und des Iraks ein Kalifat ausgerufen und setzt dort einen fundamentalistisch-sunnitischen Islam durch. Die Extremisten gehen gewaltsam gegen alle vor, die aus ihrer Sicht Ungläubige sind. Dazu gehören auch schiitische Muslime. Im vergangenen Jahr griffen IS-Kämpfer auch die schiitische Hisbollah im Süden Libanons an. Die Hisbollah hatte ihrerseits Tausende Kämpfer zur Unterstützung des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nach Syrien geschickt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Wegen verbrannter Flagge: Terrormiliz IS verschleppt 170 Männer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%