Wegen Völkermords vor Gericht
Zweiter Prozess gegen Saddam Hussein

Der irakische Expräsident Saddam Hussein muss sich seit Montag in einem zweiten Prozess wegen Völkermordes und Kriegsverbrechen vor Gericht verantworten.

HB BAGDAD. Fast 20 Jahre nach den systematischen Giftgasangriffen auf die kurdische Minderheit im Land eröffnete das irakische Sondertribunal am Montag das zweite Verfahren gegen den Ex-Präsidenten. Der 69-Jährige beschimpfte das von den USA geförderte Tribunal als Besatzungsgericht und verweigerte die Aussage. Mit Saddam stehen sechs weitere Angeklagte aus der früheren Armeeführung vor dem Gericht, darunter Saddams Cousin, der im Irak wegen der Angriffe als „Chemie-Ali“ verschrien ist. Allen droht die Todesstrafe. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

„Diese Verbrechen berühren das Gewissen der ganzen Menschheit.“ Mit diesen Worten fasste der Chef-Ankläger des Tribunals, Dschaafar al-Mussawi, die Vorwürfe an die Angeklagten zusammen. Der Anklage zufolge tötete die irakische Armee während ihrer siebenmonatigen Offensive im Jahr 1988 bis zu 182 000 Menschen im Norden des Landes. Sie setzte Senf- und Nervengas ein und zerstörte tausende Dörfer.

Wer nicht bei den Angriffen starb, wurde demnach festgenommen, vertrieben, gefoltert oder hingerichtet. Ältere Menschen, Frauen und Kinder seien in Internierungslager gesteckt worden, „nicht weil sie irgendein Verbrechen begangen hätten, sondern weil sie Kurden waren“, sagte Mussawi.

Die Verteidigung wird voraussichtlich geltend machen, dass die Offensive „Anfal“ als Einsatz gegen die angebliche Zusammenarbeit kurdischer Rebellen mit dem damaligen Kriegsgegner Iran gerechtfertigt gewesen sei.

Wie im ersten Prozess weigerte sich Saddam, auf schuldig oder nicht schuldig zu plädieren und machte auch keine Angaben zu seiner Person. „Sie wissen meinen Namen“, antwortete er lediglich. Als ihn der Vorsitzende Richter Abdullah Ali al-Aloosch aufforderte, sich zur Anklage zu äußern, antwortete er: „Dafür sind eine Menge Bücher nötig.“ Aloosch wertete die Aussage als Plädoyer auf nicht schuldig.

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