Wegweisende Konferenz in Marrakesch
Die Welt versteht den Klimawandel

Nur ein globaler Kraftakt kann die Erderwärmung bremsen. Das hat nun auch die Weltgemeinschaft kapiert, das Pariser Klimaabkommen wird umgesetzt. Doch einige Länder leisten nicht genug – wie Deutschland. Ein Kommentar.
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BerlinAls im letzten Jahr im Dezember das Pariser Klimaabkommen besiegelt wurde, hatte kaum jemand damit gerechnet, dass es weniger als ein Jahr in Kraft treten könnte. Aber offenbar hat die Weltgemeinschaft das Signal verstanden. Dass nur mit einem globalen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas in diesem Jahrhundert die Erderwärmung gebremst werden kann. Und dass mit der Umsetzung so schnell wie möglich begonnen werden sollte.

Am heutigen Freitag also ist das Pariser Klimaabkommen in Kraft getreten, das von 196 Vertragsstaaten vereinbart worden war. 94 Staaten, auf die ein Anteil von 66 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen entfällt, haben das Abkommen bereits ratifiziert, darunter auch die USA und China, die zu den größten CO2-Emittenten gehören. Das ist beeindruckend – aber reicht nicht aus. Denn bislang steuert die Welt auf eine Erwärmung von drei Grad im vorindustriellen Vergleich zu. Ziel des Paris-Abkommens ist aber, die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu halten, besser auf 1,5 Grad zu beschränken.

Die richtige Arbeit beginnt erst jetzt: mit der Umsetzung des Abkommens in jedem einzelnen Land. Langfristige Pläne, wie der Ausstoß an Treibhausgasen gesenkt werden und ein Ausstieg aus den fossilen Energien aussehen könnte, gehören dabei zum Pflichtprogramm.

Vor diesem Hintergrund ist es blamabel für die Bundesregierung, dass sie sich bislang nicht auf den Klimaschutzplan 2050 einigen konnte. Deutschland hat damit die Chance verpasst, auf der am Montag im marokkanischen Marrakesch beginnenden diesjährigen Klimakonferenz eine Richtung vorzugeben, wie Klimaschutz in einem Industrieland langfristig angegangen werden könnte.

Dennoch: Die Tatsache, dass das Abkommen so schnell in Kraft treten konnte, bedeutet Rückenwind für die Konferenz in Marokko. Denn dort müssen allerlei technische, mitunter zähe Details verhandelt werden. Doch diese Arbeit ist notwendig, um zu wirklichen Erfolgen im Klimaschutz zu kommen. Die nächste Dynamik erhofft sich die Umweltszene von den US-Wahlen in der kommenden Woche: Hillary Clinton als neue US-Präsidentin könnte das Thema beflügeln, Donald Trump dagegen abwürgen.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Das "Klimabkommen" in Paris kam zustande nachdem sich jeder Staat seine Ziele aussuchen konnte und diese unverbindlich sind. Seitens der USA gab es beispielsweise lediglich eine Absichtserklärung des Präsidenten. Diese ist unverbindlich. Eine parlamentarische Mehrheit zugunsten dieses Unsinns hat es bislang in den USA nicht gegeben.

    Die Industrialisierung dieser Welt beruht auf der Nutzung fossiler Brennstoffe. Die zukunftsträchtige Kernenergie hat in vielen Ländern Wahrnehmungsschwierigkeiten und stagniert weltweit gesehen. Eine Dekarbonisierung hätte eine Rückkehr in eine verarmte, mittelalterliche Gesellschaft zur Folge. Da wundert es wenig, dass kein Staat begeistert ist, sich für eine postwissenschaftliche Weltuntergangssaga zu engagieren.

  • Um dem Klimawandel einen wirksamen Umkehrschub geben zu können, braucht die Industrienation Deutschland eine echte Öko-Partei.

    Die Grünen sind nicht mehr glaubwürdig, seit sie in NRW mitregieren und dort den größten Umwelt-Schädling Braunkohle schützen, um keine Wählerstimmen zu verlieren.

    Die ÖDP ist nicht mehr wählbar, seit sie im internen Machtkampf ihr Zugpferd Frankenberger abgeschossen hat, dem wir rauchfreie Restaurants zu verdanken haben.

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