Weichenstellung für Venezuela
Wahlkampf gegen ein Phantom

Hugo Chávez war ein Held der Linken – und das nicht nur in Südamerika. Das kriselnde Venezuela wählt am Sonntag seinen Nachfolger. Doch Kronprinz Maduro steht noch im Schatten von Chávez: Hat er das Zeug zum neuen Idol?
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CaracasDieses Mal zeigt Henrique Capriles Zähne. Dieses Mal greift er seinen Gegner an, attackiert und beleidigt ihn. Er nennt Nicolás Maduro, den Regierungskandidaten, einen „Lügner“ und „Toripollo“, was in der venezolanischen Umgangssprache einen ungelenken Tölpel bezeichnet.

Capriles ist nicht mehr der zögerliche Oppositionskandidat aus dem Herbst, der sich gegen Chávez’ Witze und Anfeindungen nicht wehrte. Dieses Mal, in dem nur zehn Tage kurzen Wahlkampf um die Präsidentschaft Venezuelas, teilen beide Seiten aus wie die Kirmesboxer. „Bürgersöhnchen“, „kleiner Yankee“ giftet Maduro. „Nicolás, Du bist nicht Chávez“, wirft der Oppositionskandidat zurück. „Charisma kann man nicht übertragen“

In der Woche vor der Wahl schwitzt Caracas bei 34 Grad, die Luft steht schwer. Capriles, 40 Jahre, Anwalt und Gouverneur des Bundesstaates Miranda, hat zur Abschlusskundgebung gerufen. Die Avenida Bolívar, eine kilometerlange achtspurige Durchgangsstraße im Zentrum der Hauptstadt, hat bisher kein Oppositionskandidat gefüllt. Aber seit dem frühen Morgen strömen Hunderttausende hierher.

Capriles kommt vier Stunden zu spät. Er muss in diesem kurzen Wahlkampf zwei bis drei Staaten am Tag besuchen. Da gerät der Zeitplan schon mal durcheinander. Als der Kandidat endlich die Bühne erreicht, klebt ihm sein weinrotes Hemd nass am Körper.

„Die Straßen von Caracas füllen sich mit Hoffnung“, ruft er und erntet lauten Jubel. Später errechnen die Wahlbeobachter, dass es die größte Demonstration der Opposition war, seit der verblichene Präsident Hugo Chávez 1999 die Macht übernommen hatte.

Dennoch kämpft hier David gegen Goliath. Und anders als Capriles verspricht, wird es auch dieses Mal für den Außenseiter wieder nicht reichen. Selbst die Meinungsforscher, die der Opposition nahe stehen, sehen Maduro mit mindestens zehn Prozentpunkten vorne.

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  • Hugo Chavez hat dem Lumpenproletariat in Venezuela eine Stimme gegeben. Die gebildete und wohlhabende Oberschicht tut zusammen mit den amerikanischen Freunden und der Konrad Adenauerstiftung alles, damit sie wieder an die Macht kommt.
    Wann gibt es bei und jemanden, der den Verblödeten eine Stimme gibt? Vorher müssen unsere Verblödeten erst mal wissen, dass sie mit Brot und Spiele, mit Schulden auf Kosten zukünftiger Generationen von der Oberschicht und deren abhängigen Volksparteien bei Laune gehalten werden. Die nennen das Demokratie und Freiheit. Nicht ewig lässt sich das Volk belügen und betrügen.

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