Weichenstellung in Südamerika
Mexikaner wählen neuen Präsidenten

Bei den Präsidentenwahlen in Mexiko ist der Linkskandidat Andres Manuel Lopez Obrador am Sonntag als Favorit ins Rennen gegangen.

HB MEXIKO-STADT. Über 70 Mill. Wahlberechtigte waren aufgerufen, einen Nachfolger für den konservativen Amtsinhaber Vicente Fox zu bestimmen. Fox selber darf nicht mehr antreten. Bei der Wahl geht es um eine ökonomische Weichenstellung im wirtschaftsstärksten Schwellenland Lateinamerikas. Zudem entscheidet sich, ob sich der zuletzt in Bolivien und Peru gezeigte Linkstrend in der Region fortsetzt.

Diese Entwicklung haben die Finanzmärkte sowie die US-Regierung mit Sorge beobachtet. Allerdings gilt Lopez Obrador unter Experten nicht als linker Ideologe, sondern als Pragmatiker. Der frühere Bürgermeister von Mexiko-Stadt macht sich für die Bekämpfung der Armut in dem von einer ausgeprägten Kluft zwischen Arm und Reich geprägten Land stark. Stärkster Rivale des 52-jährigen Lopez Obrador ist der Konservative Felipe Calderon.

Der frühere Energieminister will den marktwirtschaftlichen Kurs seines Vorgängers Fox fortsetzen. Er pocht auf eine Öffnung des staatlichen Ölsektors für Privatinvestoren, die Lopez Obrador indes strikt ablehnt. Der 43-jährige Calderon lag in Umfragen nur äußerst knapp hinter dem Spitzenreiter. Da jedoch in der letzten Woche vor den Wahlen keine Daten mehr veröffentlicht werden durften, lagen zuletzt keine aktuellen Umfragezahlen vor. Demoskopen schätzen, dass 15 bis 20 Prozent der Wähler noch unentschlossen sind.

An dritter Position im Rennen um das Präsidentenamt lag der Kandidat der langjährigen Regierungspartei PRI, Roberto Madrazo. Die Partei herrschte bis zum Jahr 2000 über 70 Jahre lang und war stets in der Lage, überraschend viele ihrer Anhänger zu den Wahlen zu mobilisieren. Daher könnte Madrazo bei der Wahl besser abschneiden als bei den zurückliegenden Umfragen prognostiziert.

Experten erwarteten eine relativ hohe Wahlbeteiligung. Rund zwei Drittel der 71 Mill. registrierten Wähler dürften Schätzungen zufolge ihre Stimme abgeben. Bei den Wahlen im Jahr 2000 betrug die Wahlbeteiligung 64 Prozent. Bei der Abstimmung am Sonntag wird auch über die Zusammensetzung beider Kammern des Kongresses - Abgeordnetenhaus und Senat - entschieden sowie unter anderem in Mexiko-Stadt ein neuer Bürgermeister gewählt. Die Wahllokale waren am Sonntag ganztägig geöffnet. Mit ersten Ergebnisse wird um 23.00 Uhr Ortszeit (Montag, 06.00 MESZ) gerechnet.

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