Weidmann auf IWF-Tagung
„Geldpolitik ist keine Wunderwaffe“

Der ewige Mahner: Bundesbank-Chef Weidmann warnt die Politiker davor, die Notenbanken als Allheilmittel zu sehen. IWF-Chefin Lagarde stellt fest: Der Schuldenstand der reichen Länder sei so hoch „wie in Kriegszeiten“.
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TokioBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat eindringlich davor gewarnt, bei der Lösung der Schulden- und Konjunkturkrise verstärkt die Notenbanken einzuspannen. „Was mir etwas Sorgen bereitet ist, dass sich die Hoffnungen und Erwartungen der Politik mehr und mehr auf die Zentralbanken richten als Problemlöser“, sagte Weidmann am Freitag in Tokio vor der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank.

Dies betreffe nicht nur die Euro-Zone, sondern auch andere Währungsräume, sagte der Bundesbank-Chef, der die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB), unbegrenzt Staatsanleihen aus Problemländern anzukaufen, mehrfach kritisiert hatte. Sein japanischer Kollege könne davon ein Lied singen, sagte Weidmann.

„Die Geldpolitik stellt kein Allheilmittel dar und ist keine Wunderwaffe.“ Unter Dehnung ihres Mandats könne eine Notenbank Finanzmittel bereitstellen, gerate dabei aber auch ins Schlepptau der Fiskalpolitik. „Letztlich können die Ursachen der Krise nur durch die Regierungen auch beseitigt werden“, mahnte Weidmann auf einer Pressekonferenz mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Dieser stützt den EZB-Kurs. Schäuble hatte aber kritisiert, dass der Streit in der Notenbank auch öffentlich ausgetragen wird.

Schäuble und Weidmann hatten zuvor an den Beratungen der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden westlichen Industrieländer (G7) teilgenommen. Die IWF-Jahrestagung soll laut Schäuble auch dazu dienen, „das Unverständnis“ an den Finanzmärkten weiter auszuräumen. „Wir werden sehr intensiv erklären, was wir machen, warum wir es machen und warum wir es nicht machen.“

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte hingegen: Die Überwindung der Krise sei "unglaublich schwierig". Es sei wichtig, "den richtigen Rhythmus" für den Abbau der Schulden zu finden. "Das ist ein schmaler Weg, wahrscheinlich ein langer Weg, für den es keine Abkürzung gibt." Außerdem betonte sie: Die öffentlichen Schulden in den reichen Ländern befänden sich auf einem so hohen Stand "wie in Kriegszeiten". Die immense Verschuldung der öffentlichen Haushalte sei die größte Gefahr für die Weltwirtschaft. Die Schulden beliefen sich im Schnitt auf 110 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Seinem Eindruck nach hätten die Teilnehmer des Treffens „sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass wir in Europa erhebliche Fortschritte gemacht haben“ bei der Überwindung der Krise. Auch Weidmann sagte, Botschaft dieser IWF-Tagung sei, dass der wirtschaftliche, marktgetriebene Anpassungsprozess im Euro-Raum in Gang gekommen sei. Man stehe erst am Anfang, es gebe aber Erfolge.

Die Leistungsbilanz- sowie die Haushaltsdefizite in Problemländern seien gesunken. Der Leistungsbilanzüberschuss der Exportnation Deutschland wiederum habe sich seit dem Höchststand im Jahr 2007 bis Ende 2011 halbiert, sagte der Bundesbank-Chef mit Blick auf die Debatte zum Abbau globaler Ungleichgewichte.

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Bundesbank-Chef warnt vor übertriebenem Pessimismus

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  • @HofmannM
    "Falsche und überzogene Versprechen an ein Gesellschaft führen langfristig immer eine "außer Kontrolle" geratene Verschuldung nach sich"
    Das stimmt zwar auch , letztendlich ist aber in unserem Geldsystem ein Mangel an Finanzmitteln vorprogrammiert , weil Banken einen Zinssatz verlangen der real noch garnicht als Geld existiert . Dieser kann nur durch einen Nachfolgekredit bedient werden . Ein Schneeballsystem .
    Das System ist das Problem .

  • Die Schuldenkrise ist doch ganz einfach zu erklären.
    Alle Volkswirtschaften dieser Welt leben von vornherein über Ihre Verhältnisse. Schulden aufnehmen ist doch für alle Länder einfacher als zu wirtschaften.
    Die Politiker stellen das Volk mit Sozialleistungen zu frieden und das kostet eben. Die Politik geht mit ihren "absurden und überzogenen" Volksversprechen in Vorleistung. Diese Vorleistung wird immer mehr von Jahr zu Jahr und von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Irgendwann stößt somit jedes Land einen gewaltigen Schuldenberg vor sich her. Entweder werden diese Schulden durch Inflation oder Kriege bereinigt. Das war und ist schon immer so gewesen.
    Falsche und überzogene Versprechen an ein Gesellschaft führen langfristig immer eine "außer Kontrolle" geratene Verschuldung nach sich.

  • WEIDMANN FOR PRESIDENT !

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