Weidmann auf IWF-Tagung

„Geldpolitik ist keine Wunderwaffe“

Der ewige Mahner: Bundesbank-Chef Weidmann warnt die Politiker davor, die Notenbanken als Allheilmittel zu sehen. IWF-Chefin Lagarde stellt fest: Der Schuldenstand der reichen Länder sei so hoch „wie in Kriegszeiten“.
Update: 12.10.2012 - 07:47 Uhr 15 Kommentare
Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Quelle: Reuters

Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

(Foto: Reuters)

TokioBundesbank-Präsident Jens Weidmann hat eindringlich davor gewarnt, bei der Lösung der Schulden- und Konjunkturkrise verstärkt die Notenbanken einzuspannen. „Was mir etwas Sorgen bereitet ist, dass sich die Hoffnungen und Erwartungen der Politik mehr und mehr auf die Zentralbanken richten als Problemlöser“, sagte Weidmann am Freitag in Tokio vor der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank.

Dies betreffe nicht nur die Euro-Zone, sondern auch andere Währungsräume, sagte der Bundesbank-Chef, der die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB), unbegrenzt Staatsanleihen aus Problemländern anzukaufen, mehrfach kritisiert hatte. Sein japanischer Kollege könne davon ein Lied singen, sagte Weidmann.

„Die Geldpolitik stellt kein Allheilmittel dar und ist keine Wunderwaffe.“ Unter Dehnung ihres Mandats könne eine Notenbank Finanzmittel bereitstellen, gerate dabei aber auch ins Schlepptau der Fiskalpolitik. „Letztlich können die Ursachen der Krise nur durch die Regierungen auch beseitigt werden“, mahnte Weidmann auf einer Pressekonferenz mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Dieser stützt den EZB-Kurs. Schäuble hatte aber kritisiert, dass der Streit in der Notenbank auch öffentlich ausgetragen wird.

Schäuble und Weidmann hatten zuvor an den Beratungen der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden westlichen Industrieländer (G7) teilgenommen. Die IWF-Jahrestagung soll laut Schäuble auch dazu dienen, „das Unverständnis“ an den Finanzmärkten weiter auszuräumen. „Wir werden sehr intensiv erklären, was wir machen, warum wir es machen und warum wir es nicht machen.“

IWF-Chefin Christine Lagarde sagte hingegen: Die Überwindung der Krise sei "unglaublich schwierig". Es sei wichtig, "den richtigen Rhythmus" für den Abbau der Schulden zu finden. "Das ist ein schmaler Weg, wahrscheinlich ein langer Weg, für den es keine Abkürzung gibt." Außerdem betonte sie: Die öffentlichen Schulden in den reichen Ländern befänden sich auf einem so hohen Stand "wie in Kriegszeiten". Die immense Verschuldung der öffentlichen Haushalte sei die größte Gefahr für die Weltwirtschaft. Die Schulden beliefen sich im Schnitt auf 110 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Seinem Eindruck nach hätten die Teilnehmer des Treffens „sehr positiv zur Kenntnis genommen, dass wir in Europa erhebliche Fortschritte gemacht haben“ bei der Überwindung der Krise. Auch Weidmann sagte, Botschaft dieser IWF-Tagung sei, dass der wirtschaftliche, marktgetriebene Anpassungsprozess im Euro-Raum in Gang gekommen sei. Man stehe erst am Anfang, es gebe aber Erfolge.

Die Leistungsbilanz- sowie die Haushaltsdefizite in Problemländern seien gesunken. Der Leistungsbilanzüberschuss der Exportnation Deutschland wiederum habe sich seit dem Höchststand im Jahr 2007 bis Ende 2011 halbiert, sagte der Bundesbank-Chef mit Blick auf die Debatte zum Abbau globaler Ungleichgewichte.

Bundesbank-Chef warnt vor übertriebenem Pessimismus
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Weidmann auf IWF-Tagung - „Geldpolitik ist keine Wunderwaffe“

15 Kommentare zu "Weidmann auf IWF-Tagung: „Geldpolitik ist keine Wunderwaffe“"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @HofmannM
    "Falsche und überzogene Versprechen an ein Gesellschaft führen langfristig immer eine "außer Kontrolle" geratene Verschuldung nach sich"
    Das stimmt zwar auch , letztendlich ist aber in unserem Geldsystem ein Mangel an Finanzmitteln vorprogrammiert , weil Banken einen Zinssatz verlangen der real noch garnicht als Geld existiert . Dieser kann nur durch einen Nachfolgekredit bedient werden . Ein Schneeballsystem .
    Das System ist das Problem .

  • Die Schuldenkrise ist doch ganz einfach zu erklären.
    Alle Volkswirtschaften dieser Welt leben von vornherein über Ihre Verhältnisse. Schulden aufnehmen ist doch für alle Länder einfacher als zu wirtschaften.
    Die Politiker stellen das Volk mit Sozialleistungen zu frieden und das kostet eben. Die Politik geht mit ihren "absurden und überzogenen" Volksversprechen in Vorleistung. Diese Vorleistung wird immer mehr von Jahr zu Jahr und von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Irgendwann stößt somit jedes Land einen gewaltigen Schuldenberg vor sich her. Entweder werden diese Schulden durch Inflation oder Kriege bereinigt. Das war und ist schon immer so gewesen.
    Falsche und überzogene Versprechen an ein Gesellschaft führen langfristig immer eine "außer Kontrolle" geratene Verschuldung nach sich.

  • WEIDMANN FOR PRESIDENT !

  • Schäuble „Wir werden sehr intensiv erklären, was wir machen, warum wir es machen und warum wir es nicht machen.“
    IWF-Chefin Christine Lagarde: Die Überwindung der Krise sei "unglaublich schwierig". Es sei wichtig, "den richtigen Rhythmus" für den Abbau der Schulden zu finden. (Zitate)
    Summa summarum heißt das : „Keiner von beiden kennt also die Lösung“.
    Griechenland ist also zunächst mit keinem Rettungsschirm über Wasser zu halten . Es muss endlich selbst das Schwimmen erlernen. Alles andere ist zwecklos. Es ist noch keiner ertrunken, wenn man ihn dazu einfach ins Wasser wirft und er sich am Ufer aber festhalten kann-oder?

  • Krieg oder Dummheit? Z. Zt. siegt die Dummheit. Wir können froh sein, dass es solche Leute wie Weidmann, Schäffler und Söder gibt. leider geben die größten Dummschwätzer den Ton an. Sie haben nichts im Kopf aber die besseren Elbogen.

  • Lagarded versus Schäuble: "Ein Schuldenstand wie in Kriegszeiten." Da wurden damals auch Kriegsanleihen aufgenommen! Damit hat Lagarde Schäuble auf Schachmatt gesetzt. Wir sagen es einfach so, wenn alle Herabstufungen ein Missverständnis waren, hat es die ganze Krise nie gegeben. Alles nur ein einziger Irrtum. Tja, da habe die Rating-Agenturen einfach die Karte gezogen: "Rating -Missverständnis zu Ihren Gunsten."
    Während sich in Amerika die Ratings im Bankensektor verbessern geht die Staatsschuldenkrise in Europa weiter. Es handelt sich um eine Staatsschuldenkrise, die mit Lehman längst nichts mehr zu tun hat. Das muss Schäuble natürlich in Abrede stellen, sonst kommt heraus, dass der Rettungsschirm ein Rettungsschirm für die maroden Sstaatsfinanzen ist, vgl. fortunanetz.de Nun, Lagarde ist mit ihrem Ausspruch das erste Mal ehrlich und nennt die wahre Ursache.

  • Es herrscht ein Finanzkrieg, liebe Frau Lagarde, falls
    Sie das als IWF Chefin noch nicht gemerkt haben sollten!!

  • Reset to Zero.
    Die Schulden dieser Welt können niemals zurückgezahlt werden.
    Der einzige Ausweg ist, neues ungedecktes Papiergeld zu drucken.
    Was dann passiert, nennt man Inflation.
    Was anschließend kommt, ist die Währungsreform.
    Gabs doch schon öfter.
    Oder?

  • WER braucht denn diesen IWF und diese französische Trompete aus der Metallegierung namens Lagarde? Die soll ihr Einkommen SPENDEN für den Abbau der "Kriegsschulden" und nicht mit solch altherrischem Vokabular um sich werfen, um danach gleich in den modernen Wohlstandssessel zurück zu fallen. Merdique!

  • Wenn Schäuble feststellt, dass es kein guter Stil sei Diskussionen in der EZB öffentlich auszutragen, dann hat er grundsätzlich recht. Im konkreten Fall finden diese mahnenden Worte aber keinen Rückhalt, weil diese Stufe der Diskussion bereits verlassen ist.

    Es ist m.E. Rechtens die Öffentlichkeit über den Streit zu informieren, wenn die Diskussion aufgrund fortgesetztem vertragswidrigem Verhalten seitens der EZB fortgesetzt wird und die Politik, die die Verträge geschlossen hat, nicht auf Einhaltung der Verträge besteht.

    Wenn Herr Weidmann zuweilen als "Nein-Sager" bezeichnet wird, so ist das eine Verdrehung der Tatsachen. Er sagt nicht "Nein", sondern er besteht auf die Einhaltung der Verträge. Das ist etwas anderes. Wenn die Politik nicht auf die Einhaltung ihrer Verträge besteht, muss die Frage erlaubt sein, ob sie dann überhaupt noch kontaktfähig ist.

    M.E. ist sie dies schon lange nicht mehr. Als größtes Problem sehe ich die Verantwortungslosigkeit der Verantwortlichen an.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%