Weigerung im Kampf gegen Boko Haram
Nigeria bestraft 54 Soldaten mit dem Tod

Zu wenige Waffen, Munition und Nahrung: Im Kampf gegen Boko Haram äußern Soldaten in Nigeria schwere Vorwürfe gegen die Regierung. Die verhängt nun Todesstrafen gegen Soldaten, die nicht gegen die Terrorgruppe antraten.
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AbujaEin Militärgericht in Nigeria hat 54 Soldaten zum Tod verurteilt, weil sie sich geweigert haben, gegen die islamistischen Extremisten der Terrorgruppe Boko Haram zu kämpfen. Ihnen war vorgeworfen worden, im August nicht aufmarschiert zu sein, um drei Städte von den Milizen zurückzuerobern.

Zudem wurden sie am Mittwoch wegen Meuterei, Beleidigung und Feigheit verurteilt, wie der Verteidiger der verurteilten Männer, Femi Falana, in der Nacht zum Donnerstag sagte. Die 54 Todgeweihten sollen von einem Exekutionskommando erschossen werden, berichtete Falana. Fünf Soldaten seien freigesprochen worden. Die verurteilten Soldaten gehörten zu einer Spezialeinheit, der im August aufgetragen worden war, drei Städte im Staat Borno aus der Gewalt der Islamisten zurückzuerobern.

Der Prozess hatte den Angaben zufolge Mitte Oktober hinter verschlossenen Türen begonnen. Vor der Verkündung des Urteils am Mittwoch wurden Reporter von dem Gericht ferngehalten. Vertreter des Militärs waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Zwölf Soldaten waren bereits im September wegen Meuterei und versuchten Mordes eines Kommandeurs zum Tode verurteilt worden. Sie hatten ihren Vorgesetzten für eine unbekannte Zahl Soldaten verantwortlich gemacht, denen in einer Nacht auf einer Straße aufgelauert worden war, die häufig von den Rebellen angegriffen wird. Die Extremisten hatten die Soldaten dabei getötet.

Regelmäßig Beschwerden von nigerianischen Soldaten

Nigerianische Soldaten beschweren sich regelmäßig, dass sie der Boko Haram waffentechnisch unterlegen seien. Zudem prangern sie an, nicht vollständig bezahlt zu werden und auf den Schlachtfeldern ohne ausreichend Munition und Nahrungsmitteln zurückgelassen zu werden.

Boko Haram hat eine Reihe von nigerianischen Städten und Dörfern unter seine Kontrolle gebracht und im August ein islamisches Kalifat entlang der Grenze zu Kamerun ausgerufen. In den vergangenen Wochen konnten Spezialkräfte der Regierung mindestens vier Städte zurückgewinnen.

Nigeria bereitet sich derzeit auf eine Präsidentenwahl am 14. Februar 2015 vor. Es wird damit gerechnet, dass die Abstimmung die knappste seit dem Ende der Militärdiktatur im Jahr 1999 werden wird. Der amtierende Präsident Goodluck Jonathan wird vom früheren Militärdiktator Muhammadu Buhari herausgefordert, der von der Opposition als der wahrscheinlich bessere Kandidat angesehen wird, um die Aufständischen zu besiegen. Auch Korruption, die dem 57-jährigen Jonathan vorgeworfen wird, spielt bei der Wahl eine Rolle.

Tausende Menschen wurden während des bislang fünf Jahre andauernden Ausbruch der islamistischen Rebellen getötet. Rund 1,3 Millionen Nigerianer flohen aus ihren Häusern, Zehntausende davon nach Kamerun, Tschad und Niger.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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