Weiße Haus muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen
Bush-Regierung bezahlt Reporter

Kontrolle ist alles im Weißen Haus von Präsident George W. Bush. Sein engster Berater Karl Rove hat eine Kultur der geringst möglichen Überraschungen geschaffen. So lässt die Regierung bei Aufritten von Bush oder Ministern vermeintlich spontane Fragen „aus dem Volk“ nur zu, wenn sie vorher eingereicht und genehmigt worden sind.

HB WASHINGTON. Journalisten sind der Rove-Riege dagegen von Natur aus suspekt. Mehrere fragwürdige Vorgänge haben der Regierung den Vorwurf eingehandelt, sie versuche wohl, sich Journalisten als Propagandawerkzeuge zu Diensten zu machen.

Der „Fall Jeff Gannon“ sorgte im Pressekorps des Weißen Hauses vergangene Woche für Aufruhr. Zwei Jahre war der angebliche Journalist dort mit einem Presseausweis ein- und ausgegangen und hatte Regierungssprechern und auch dem Präsidenten mit völlig einseitigen Fragen regelmäßig perfekte Vorlagen zur Demokratenschelte geliefert. Wie er bloß mit Demokraten zusammenarbeiten könne, die jeden Sinn für Realität verloren hätten, fragte „Gannon“ Präsident George W. Bush zum Beispiel bei einer Pressekonferenz im Januar. Der nutzte das, um sich als eifriger Versöhner darzustellen, der es nie aufgibt, die Hände über Parteigrenzen auszustrecken.

Wie Internetkolumnisten, die als „Blogger“ bekannt sind, jetzt herausfanden, heißt „Gannon“ in Wirklichkeit James Guckert. Er arbeitete für den obskuren Internet-Dienst „Talon News“, der von einem konservativen Großspender aus Texas finanziert wird. Seine anderen Geschäftsinteressen sind eher schlüpfriger Natur. Das Weiße Haus musste sich unangenehme Fragen gefallen lassen. War der Mann eingeschleust, um der Regierung die Vorlagen für gewünschte Antworten zu liefern? Die Regierung weist das vehement zurück.

„Im heutigen Zeitalter mit den sich ändernden Medien ist es nicht leicht zu sagen, wer wirklich Journalist ist“, versuchte Regierungssprecher Scott McClellan zu erklären. Dem Pressebüro im Kongress fiel das im Fall Guckert nicht so schwer. Es verweigerte dem Mann einen Presseausweis, weil „Talon News“ nicht nachweisen konnte, parteiunabhängig zu sein und weil der Dienst auch nicht verkauft wird oder sich über Anzeigen finanziert. „Unvorstellbar, dass das Weiße Haus, besonders nach den Terroranschlägen, Akkreditierungen verteilt, ohne die Leute genau unter die Lupe zu nehmen“, meinte der Medienkritiker von Fox News, James Pinkerton.

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