Weißrussland
Gaskrieg: Dollars und Wolldecken ausverkauft

Am 1. Januar könnte Russland seinem Nachbarn Weißrussland den Gashahn abdrehen. Noch wird verhandelt, um den Ausbruch des Bruderkrieges abzuwenden. Doch die Menschen bereiten sich bereits auf ein Leben ohne Wärme vor. Sie scheinen zu ahnen, dass der Gaskrieg noch dauern kann. Denn der russische Monopolist Gazprom hat einen besonderen Plan.

MOSKAU. Schneetreiben in Moskau, Kaufrausch in Minsk, Schneefall in Minsk, Kaufrausch in Moskau. In beiden Ländern, die die Russisch-Weißrussische Union bilden, wird die Silversternacht nach sowjetisch-atheistischer Tradition mit Festtagsbraten, Djed-Moros-Weihnachtsmann, Sekt, Böllern und Geschenken wie eine Mischung aus Neujahrsfest und Weihnachten gefeiert und das abgelaufene Jahr in Wodka-Bächen ertränkt.

Doch einen Unterschied gibt es: Um den Kreml herum rennen die Menschen im Kinderkaufhaus "Detskij Mir", im berühmten GUM am Roten Platz oder in der mit Armani, Gucci und Bentley gepflasterten Tretjakow-Edelgasse die Läden ein auf der Jagd nach Luxus, Lego-Steinen, Lack und Leder. Die Schlangen vor den Kassen in den Einkaufszentren am Moskauer Autobahnring oder den Mega-Malls werden inzwischen wie einst in den Mangeljahren der UdSSR wieder in Stunden gemessen. Im "Siebten Kontinent", bei "Metro", "Auchan" oder in der "Kopeke" bersten die Einkaufswagen unter Wodkaflaschen, gefrorenen Gänsen, Zuckerwerk und Schampanskoje.

Dollars sind ausverkauft

In der weißrussischen Hauptstadt hingegen sind die Dollars und Euros ausverkauft. Und die Menschen laufen sich die Hacken ab nach dicken Pullovern, Pelzmänteln und Wolldecken. Alles, was wärmt, wird den Händlern aus den Händen gerissen. Und harte Valuta wird gehortet, weil niemand mehr dem "hölzernen" weißrussischen Rubeln - Sajtschiki / Häschen im Volksmund genannt wegen der Wild-Motive auf den Scheinen - traut.

In den Oberleitungs-Bussen ist das Gesprächsthema Nummer eins: Ob auch das Stromnetz zusammenbrechen wird und sich der Kauf eines Ölradiators noch lohnt. "Burschujki", stählerne Öfen, machen immer mehr das Rennen. Und Tannenbäume sind schon ausverkauft. Nicht, weil noch Weihnachtsbäume in den Wohnungen fehlt. Viele werden gar nicht erst geschmückt. Denn man braucht Reserven zum Heizen.

Seit Gazprom-Chef Alexej Miller vor zwei Tagen gedroht hat, am Neujahrsmorgen um zehn Uhr Weißrussland den Gashahn abzudrehen, wenn Minsk die Preisverdoppelung nicht hinnimmt, herrsche bei den Menschen in Belarus Panik, Das berichtet die Reporterin von "Echo Moskwy", Irina Chalip, aus Minsk. In meinem Moskauer Büro bollert die Heizung, doch das Fenster kann ich nicht aufmachen, weil sonst das Schneetreiben hineinblasen würde.

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