Weißrussland
Zehntausende demonstrieren gegen Lukaschenkos Wahlbetrug

Erste Prognosen bescheinigen dem autoritären Staatschef Lukaschenko 79 Prozent aller Stimmen. Doch die Oppositition hatte bereits vor dem Wahlende zu Protesten aufgerufen. Denn in Weißrussland glaubt fast niemand an eine ordnungsgemäße Wahl. In der Nacht zum Sonntag sind trotz Verbots zehntausende Menschen auf den Straßen.
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HB MINSK. Nach dem sich abzeichnenden Sieg von Weißrusslands autoritärem Staatschef Alexander Lukaschenko bei der Präsidentenwahl haben sich in Minsk zehntausende Oppositionsanhänger versammelt. Die Demonstranten zogen am Sonntagabend ungeachtet eines massiven Polizeiaufgebots in Richtung des Gebäudes der Zentralen Wahlkommission. Im Stadtzentrum der Hauptstadt Minsk versammelten sich etwa 20 000 Menschen zu der nicht genehmigten Kundgebung, wie die unabhängige Agentur Belapan meldete.

Lukaschenko liegt bei der von Fälschungsvorwürfen überschatteten Wahl in der früheren Sowjetrepublik ersten Prognosen zufolge mit weit mehr als 70 Prozent der Stimmen vorn.

Die Regierungskritiker schwenkten die alte weiß-rot-weiße Fahne des Landes und riefen „Lang lebe Weißrussland“. Der oppositionelle Präsidentschaftskandidat Andrej Sannikow kündigte an, er wolle für die Freiheit kämpfen. Die Opposition hatte schon vor der Abstimmung zu Massenprotesten aufgerufen, obwohl das Regime öffentliche Kundgebungen verboten und eine harte Reaktion auf Demonstrationen angekündigt hatte.

Bereits nach der letzten Präsidentenwahl vor vier Jahren hatten in Minsk Zehntausende gegen Lukaschenko protestiert. Auf dem Weg zur Kundgebung wurde der Oppositionskandidat Wladimir Nekljajew von Sicherheitskräften krankenhausreif geprügelt. Dutzende seiner Mitstreiter wurden nach Belapan-Angaben festgenommen. Dagegen teilten die Sicherheitskräfte mit, niemand sei abgeführt worden.

Bereits vor Schließung der Wahllokale bei der Präsidentenwahl hat sich die weißrussische Regierung am Sonntag auf Proteste der Opposition vorbereitet. Regierungsgegner und Menschenrechtsgruppen berichteten, mehr als 30 Oppositionelle seien festgenommen worden. Im Stadtzentrum von Minsk wurden Polizisten zusammengezogen, Lastwagen standen zum Abtransport festgenommener Demonstranten bereit.

Seine Konkurrenten warfen ihm vor, er wolle sich mit Betrug den Sieg sichern. Neben dem 56-Jährigen treten neun weitere Kandidaten an, denen aber keine Chancen eingeräumt werden. Nach Ansicht von Beobachtern verfügt keiner der Herausforderer über die Persönlichkeit oder ein Programm, um breite Kreise der Bevölkerung für sich gewinnen zu können.

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  • Wann macht die EU endlich Druck gegen diesen faschistischen kleinen Stalin? Oder Hat man in brüssel Angst, das Erdgas könnte ausgehen?
    @bodo ...nicht nur an die Wahlen von 1936 auch an die Volkskammerwahlen vor und zu Zeiten von iM Erika.

  • Dies erinnert an die deutschen Wahlen von 1936, wo man große Mühe hatte, die Zahl der Ja-Stimmen unter 100 Prozent zu halten.

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