Weitere Hilfen
Merkel zögert mit Milliarden für Griechenland

Griechenland braucht noch mehr Geld - aber Bundeskanzlerin Angela Merkel zögert mit weiteren Zusagen. Finanzminister Wolfgang Schäuble stemmt sich indes vehement gegen einen Euro-Austritt Griechenlands.
  • 8

Brüssel/AthenDeutschland zögert mit einer schnellen Zusage weiterer Hilfskredite für das hoch verschuldete Griechenland. „Ich muss zunächst die Ergebnisse der Prüfung durch die EZB, die EU-Kommission und den Internationalen Währungsfonds abwarten, bevor ich mich dazu äußern kann“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag. „Alles andere würde Griechenland auch nicht helfen.“ Zusätzliche Kredite schloss sie aber grundsätzlich nicht aus. In Medienberichten war von weiteren Hilfen im Volumen von bis zu 60 Milliarden Euro die Rede, die derzeit vorbereitet würden. In Kreisen der Euro-Zone hieß es dagegen, der Bedarf Griechenlands an Finanzhilfe sei unklar. Jegliche Zahlen, die darüber kursierten, seien falsch. „Es gibt keine formellen Verhandlungen“, hieß es.

Vertreter von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) sind derzeit in Athen, um die Fortschritte Griechenlands bei der Umsetzung seines Reformprogramms zu überprüfen. Bisher hätten die Experten noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob Griechenland seine Ziele erreicht habe und deswegen die nächste Tranche des 110 Milliarden Euro schweren Hilfspakets ausgezahlt werden könne, sagte ein Vertreter eines Euro-Staats. Es hapere derzeit bei der Umsetzung der Reformen. Weder die Sanierung des Staatshaushaltes noch die geplanten Privatisierungen kämen zufriedenstellend voran. Erst wenn Griechenland das sicherstelle, könne über zusätzliche Hilfen verhandelt werden.

Forderungen nach einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone trat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vehement dagegen. „Alles wäre besser als ein Austritt“, sagte Schäuble am Dienstag nach Angaben von Teilnehmern einer Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Bevor über neue Hilfen entschieden werden können, müsste zunächst die Bewertung der EU/IWF-Kommission abgewartet werden. Ähnlich äußerte sich EU-Währungskommissar Olli Rehn. Eine Entscheidung könne erst in einigen Wochen fallen.

Seite 1:

Merkel zögert mit Milliarden für Griechenland

Seite 2:

Kommentare zu " Weitere Hilfen: Merkel zögert mit Milliarden für Griechenland"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Absolut treffend kommentiert, aber ich füchte, dass Herr Schäuble die Option "Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone" nicht einmal denken kann. Gestern gab es eine Diskussion um den Euro in der Münchner Runde, in der der für Austrittslösungen offene WiWo-Chefredakteur Tichy im Grunde gesagt hat, dass ein Austritt Deutschlands ökonomisch wahrscheinlich das Beste für alle wäre (einschließlich der Deutschen), aber dass ein solcher Schritt zur absoluten politischen Isolation Deutschlands in Europa führen würde.

  • "Bisher hätten die Experten noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob Griechenland seine Ziele erreicht habe ..."

    Das soll wohl ein Witz sein?! Gleich darauf steht dort:
    "Weder die Sanierung des Staatshaushaltes noch die geplanten Privatisierungen kämen zufriedenstellend voran."

    Damit wurde die Frage doch schon längst selbst beantwortet. Für wie dumm halten die die Bürger eigentlich? Vermutlich überlegen die nur noch, wie das offensichtliche Versagen am besten vertuscht werden kann, damit die nächste Tranche ausgezahlt werden kann. Und das gute Geld der deutschen Steuerzahler wird weiterhin für die uneinsichtigen Griechen zum Fenster hinaus geschnitten. Und im eigenen Land muss natürlich eisern gespart werden. Wie lange lassen wir uns das eigentlich noch von unseren Volksverrätern, sorry "Volksvertretern" gefallen?

  • Das Fiatgeldsystem funktioniert sogar, wenn eine Vertrauensbasis da ist, dass auch mein Nachbar oder Menschen aus der Nachbarsstadt arbeiten und produktiv sind (es ist zwar bloß Papier, aber ich bekomme überall etwas dafür - das Zauberwort heißt Vertrauen). Je weiter ich die Vertrauensgrenze ziehen kann, desto größer kann eine einheitliche Währung sein.

    Das Vertrauen in die "Eurozone" ist erstmal (für sehr lange Zeit) weg! Deshalb wird diese Währungszone auseinanderfallen (vergesst die Durchhalteparolen und Junckers Wunderwaffen). Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben! Aber dann muß man sagen...selber schuld. Wer nicht total verblödet ist, hat schon lange vorgesorgt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%