Weitere Soldaten berichten von Exzessen
"Misshandlungen sind an der Tagesordnung"

Drei US-Militärpolizisten, die im Gefängnis Abu Ghraib bei Bagdad Dienst getan haben, haben von regelmäßigen Misshandlungen irakischer Gefangener berichtet. Auch ein britischer Soldat hat neue Vorwürfe der erhoben und wird nun von der Militärpolizei befragt,

HB ANTIOCH. „Es ist an der Tagesordnung, dass Gefangene misshandelt werden“, sagte Mike Sindar von der 870. Kompanie der Militärpolizei (MP) am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Ich habe die ganze Zeit über Schläge gesehen,“ Sandar gehört den Nationalgarden an und ist in der Region um San Francisco stationiert. US-Präsident George W. Bush hatte sich am Donnerstag für die Misshandlungen irakischer Gefangener entschuldigt.

Der Skandal war durch die Veröffentlichung von Fotos bekannt geworden, die US-Soldaten bei der Misshandlung irakischer Häftlinge in Abu Ghraib zeigten, und hat internationale Kritik hervorgerufen. „Eine Menge Leute hatten so viel angestaute Wut, so viel Aggression“, sagte Sindar. Die Aufmerksamkeit richtet sich bislang auf die Fotos, auf denen sechs US-Soldaten zu sehen sind. Doch einige Angehörige der 870. MP-Kompanie sagen, die abgebildeten Soldaten seien bei weitem nicht die einzigen, die an den Grausamkeiten beteiligt waren. „Es waren nicht nur diese sechs Leute“, sagte Sindar. „Ja, die Schläge kommen vor, ja, die ganze Zeit.“

Ramone Leal sagte, eine Soldatin seiner Einheit habe mit einer Schleuder auf Gefangene geschossen und einen von ihnen verletzt. Ein andere Gruppe Soldaten habe einen 14-jährigen Junge zu Boden gestoßen, als er in dem Gefängnis angekommen sei, und ihm den Arm verdreht. „Die Soldaten haben ihn ausgelacht“, berichtete Leal. „Ich habe die anderen Soldaren gesehen, die ihren Frust an den Gefangenen ausließen.“

Ein Sergeant in ihrer Einheit sei im vergangenen Jahr abgemahnt worden, weil er einen Gefangenen festgehalten hatte, während andere Soldaten ihn schlugen, sagten Leal und Sindar. Sie hätten mit Kapuzen vermummte Gefangene gesehen, auf denen rassistische Schmähungen standen wie „Kamelreiter“ oder „Ich habe versucht, einen Amerikaner zu töten, aber jetzt sitze ich im Gefängnis“.

Fotos, die Reuters vorlagen, zeigten US-Soldaten, die in die Leichensäcke von drei irakischen Gefangen blickten, die von der 870. MP-Kompanie bei einer Revolte im Herbst 2003 getötet worden waren. Ein Foto zeigte einen bärtigen Mann, dessen blutige Stirn zum großen Teil weggeschossen war.

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