Weltall
Kampf um strategische Frequenzen

Amerikaner, Europäer und Chinesen kämpfen um die Macht im Weltall. Es geht um die militärische und zivile Nutzung von Satelliten-Navigationssystemen. Ein zentraler Bereich der zukünftigen Sicherheitspolitik, glauben Diplomaten. Wie das Problem gelöst werden kann, weiß zurzeit niemand. Droht jetzt ein realer Krieg der Sterne?

BERLIN. Die großen Machtblöcke auf der Welt versuchten ihren Einflussbereich auf den Weltraum auszuweiten. Beim Kampf um die besten Frequenzen und die Sendestärken für Satelliten-Navigationssysteme drohen nun die Interessen der EU und China aufeinanderzuprallen. Ein Grund ist die rechtliche Grauzone im Orbit – ein anderer sind militärisch-strategische Interessen.

Auslöser des Streits sind die Ambitionen von EU und China, das bisherige Monopol der Amerikaner mit dem satellitengestützten Navigationssystem GPS zu brechen, das das US-Verteidigungsministerium ursprünglich als militärisches System aufgebaut hat. Die Europäer planen dabei mit „Galileo“ ein vorrangig ziviles System, das künftig Autofahrern und der Landwirtschaft wichtige Daten liefern soll. China will seinen „Compass“-Satellitenverbund dagegen vor allem militärisch nutzen.

Doch seit Wochen wird hinter den Kulissen um die Projekte gerungen. Das Problem der Europäer ist nicht nur, dass die Chinesen mit Hochdruck versuchen, dem milliardenschweren, immer wieder verzögerten „Galileo“-Projekt zuvorzukommen. „China will auch dieselben Frequenzen wie die Europäer nutzen, um Daten zur Erde zu senden“, sagt Hartmut Reile, Programmdirektor Weltraum beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Technisch wäre eine Gemeinschaftsnutzung kein Problem. Dennoch will die EU dies unbedingt verhindern – während die chinesische Regierung derzeit alle Gesprächsangebote ausschlägt. Zum einen will die EU „Galileo“ kommerziell vermarkten und den Kunden (anders als beim amerikanischen GPS) eine Garantie verkaufen, dass die Navigationssignale präzise und absolut verlässlich sind. Dafür muss die EU jede mögliche Störung ausschließen.

Zum anderen denken Amerikaner, Europäer und Chinesen längst nicht nur an den Normalbetrieb, sondern an kommende politische oder gar militärische Konflikte. Die Milliardeninvestitionen in die Navigationssysteme gelten schließlich als langfristige strategische Entscheidungen. Amerikaner und bald auch Chinesen wollen damit ihre Streitkräfte koordinieren und im Notfall High-Tech-Kriege führen. Und obwohl die EU stets den zivilen Charakter von „Galileo“ betont – auch dieses System wird ein verschlüsseltes Sicherheitssignal senden (PRS). Frankreichs Regierung etwa sagt ganz offen, dass sie dieses Signal gerne für die eigene Armee nutzen möchte.

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