Weltbank
Abgang in Ehren soll Wolfowitz niemand verwehren

Der Rücktritt von Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz ist seit Mittwoch keine Frage des Ob mehr, sondern nur noch eine Frage des Wie. Der einstige „Falke“ der Regierung Bush ist zu einem Abgang bereit - aber nur, wenn man ihn wie einen Ehrenmann behandelt, anstatt ihn mit Schimpf und Schande vom Hof zu jagen.

HB WASHINGTON. Der Exekutivrat der Weltbank vertage am Mittwochabend seine Entscheidung über Wolfowitz. Er hatte nach seinem Amtsantritt dafür gesorgt, dass seine Lebensgefährtin Shaha Riza von der Weltbank ins US-Außenministerium wechseln konnte und dabei eine immense Aufstockung ihrer Bezüge durchgedrückt. Ein Untersuchungsausschuss der Bank lastete Wolfowitz an, damit gegen ethische Regeln verstoßen und seine eigenen Interessen über die der Weltbank gestellt zu haben.

Wie die Weltbank in Washington weiter mitteilte, sollen die Beratungen am Donnerstag fortgesetzt werden. Dabei gehe es nur noch um die Bedingungen des Rücktritts, sagte ein Vertreter der Bank, der namentlich nicht genannt werden wollte. Ein Vorschlag beinhalte das Eingeständnis der Weltbank, einen Teil der Schuld an der Affäre zu tragen. Außerdem sollten seine Verdienste um die Weltbank hervorgehoben werden. Im Gegenzug solle Wolfowitz zurücktreten. Es werde derzeit über Details wie eine Abfindung gesprochen.

„Wir versuchen, eine Vereinbarung zu treffen, durch die eine Abstimmung (im Exekutivrat der Weltbank über eine Absetzung Wolfowitz') vermieden werden kann und die es ihm von der Formulierung her erlaubt, zurückzutreten“, sagte der Weltbank-Mitarbeiter. Der US-Vertreter im Exekutivrat habe versichert, eine „praktikable Lösung“ zu finden, zugleich aber um mehr Zeit gebeten.

Wolfowitz verteidigt sich mit dem Hinweis, er habe den Ethikausschuss der Bank vor seinem Amtsantritt über den Interessenkonflikt informiert und auf einen informellen Rat des Gremiums hin gehandelt. Mitte April hatte Wolfowitz eingeräumt, damit einen Fehler begangen zu haben. Er hätte sich aus den Verhandlungen um die Versetzung seiner Lebensgefährtin heraushalten sollen. Ungeachtet dessen drängen vor allem die Europäer auf seine Ablösung.

Das Weiße Haus deutete am Mittwoch erstmals die Bereitschaft an, Wolfowitz zu ersetzen, wenn der Exekutivrat darauf verzichtet, ihn wegen der Vorwürfen zu entlassen oder ihm durch ein Misstrauensvotum zum Rücktritt zu zwingen. Wolfowitz hatte den weltweiten Kampf gegen die Korruption zu einem seiner wichtigsten Anliegen als Weltbank-Chef erklärt.

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