Weltbank-Chef
Bundesregierung drängt Wolfowitz zum Rücktritt

Die Bundesregierung hat dem angeschlagenen Weltbankpräsidenten Paul Wolfowitz einen baldigen Rücktritt nahe gelegt. „Die Situation ist so, wie sie sich darstellt, nicht mehr tragbar“, sagte Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in einem Zeitungsinterview.

HB BERLIN. Es gehe darum, weiteren Schaden für die Bank abzuwenden. „Meine Schlussfolgerung ist, dass Wolfowitz der Bank einen Dienst erweisen und selbst die Konsequenzen ziehen sollte. Je schneller, desto besser“, sagte die SPD-Politikerin der „Financial Times Deutschland“.

Wieczorek-Zeul ist in der Bundesregierung zuständig für die Weltbank. Deutschland gehört mit Großbritannien und Frankreich nach den USA zu den größten Anteilseignern. Wie es heißt, sind sich die europäischen Staaten in der Einschätzung einig, dass der ehemalige US-Vizeverteidigungsminister nicht mehr zu halten ist. „Meine Hoffnung ist, dass die Bedenken der Anteilseigner auch in den USA verstanden werden“, sagte Wieczorek-Zeul. Das Recht der USA auf die Benennung des Weltbankpräsidenten werde damit nicht in Frage gestellt.

Wieczorek-Zeul begründet ihre Rücktrittsforderung vor allem mit dem Anspruch der Bank, in Entwicklungsländern Korruption zu bekämpfen. „Durch die Vorkommnisse um die Entscheidung zu Frau Shaha Riza werden die Glaubwürdigkeit von Paul Wolfowitz und die Glaubwürdigkeit der Bank in ihrem Einsatz für gute Regierungsführung in Entwicklungsländern in Zweifel gezogen“, sagte sie. „Das dürfen und werden die Anteilseigner um der Integrität der Weltbank willen nicht hinnehmen.“

Wolfowitz soll sich bei der Versetzung seiner ebenfalls bei der Weltbank arbeitenden Lebensgefährtin Riza nicht korrekt verhalten haben. Riza ist wegen Wolfowitz' Wechsel an die Spitze der Bank ins US-Außenministerium ausgewichen, wird aber weiterhin von der Weltbank bezahlt. Anlässlich der Versetzung soll der Bank-Chef ihr Gehalt doppelt so stark erhöht haben wie eigentlich vorgesehen. Das Weltbank-Direktorium hatte die Entscheidung über Konsequenzen aus der Affäre am Freitag vertagt.

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