Weltbank-Studie
Deutscher Reform-Eifer erlahmt

Die Weltbank attestiert in ihrer Studie „Doing Business 2007“ vielen Staaten Reformfortschritte. Ingesamt sind die Rahmenbedingungen für Investoren besser geworden. Deutschland dagegen hat keinen Boden gutgemacht. Auffallend ist die positive Entwicklung Afrikas.

BERLIN / WASHINGTON. Die Rahmenbedingungen für Unternehmen in Deutschland haben sich im vergangenen Jahr nicht verbessert. Dagegen hat sich weltweit das Klima für Investoren aufgehellt. Das ist das Ergebnis einer Studie der Weltbank und ihrer Investmenttochter International Finance Corporation (IFC), in der die Standortfaktoren für Unternehmen in 175 Ländern verglichen werden. Noch im vergangenen Jahr war Deutschland in puncto Arbeitsmarktregulierung als weltweiter „Top-Reformer“ gelobt worden. Die Untersuchung mit dem Titel „Doing Business 2007“ wird am heutigen Mittwoch in Washington vorgestellt und liegt dem Handelsblatt bereits vor.

In der umfassenden Benchmark-Studie (siehe „Doing Business 2007 – Was dahinter steckt“) hat die Weltbank die regulatorischen Rahmenbedingungen von Afghanistan bis Zimbabwe verglichen. Zehn wirtschaftsrelevante Politikfelder haben sie in dem Report das vierte Jahr in Folge untersucht. Die weltweit meisten Fortschritte hat die Weltbank in puncto Unternehmensgründungen festgestellt. 43 aller betrachteten Länder sind diesbezüglich vorangekommen. Die wenigsten Pluspunkte sammelten die betrachteten Nationen allerdings in einem Kernbereich, auf dem Arbeitsmarkt. Gerade einmal acht Länder haben es im letzten Jahr Unternehmen erleichtert, neue Arbeitskräfte einzustellen. Sechs Nationen haben sogar weitere Hürden aufgebaut.

Deutschland hatte 2005 dank seiner Anstrengungen auf dem Arbeitsmarkt erstmals den Sprung unter die 20 Länder mit der wirtschaftsfreundlichsten Bürokratie geschafft. Nachdem die Weltbank die Methodik ihrer Bestenliste in einzelnen Punkten überarbeitet und weitere Länder aufgenommen hat, liegt die Bundesrepublik für das vergangene und laufende Jahr auf Platz 21.

„Deutschland hat mit den Arbeitsmarktreformen einen großen Schritt nach vorne gemacht, seither allerdings wenig getan“, resümiert Weltbank-Vizepräsident Michael Klein gegenüber dem Handelsblatt (siehe „Reformeifer hat nachgelassen“). Gleichwohl habe er den Eindruck, dass der Konsens in Deutschland viel stärker geworden sei, dass auf dem Arbeitsmarkt weitere Fortschritte erzielt werden müssten.

Führende Ökonomen wie der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, stimmen diesem Befund zu. „Wir zehren immer noch von den Anstrengungen der Agenda 2010“, sagte er dem Handelsblatt. Danach sei aber nichts hinzugekommen, 2005 sei ein „Jahr des Stillstands“ gewesen. Nachlassenden Reformeifer kann sich Deutschland im Hinblick auf den zunehmenden internationalen Standortwettbewerb aber nicht leisten. „Die Entwicklung in anderen Ländern steht nicht still, auch dort werden weiter bürokratische Hemmnisse abgebaut“, sagt auch Caralee McLeish, Ko-Autorin des Weltbankreports. Die Vereinfachungen bei der Lizenzierung von Geschäften sowie beim Schutz der Investoren, die es in den vergangenen zwölf Monaten in Deutschland gegeben habe, hätten nicht ausgereicht, um im Ländervergleich erneut Boden gutzumachen.

Seite 1:

Deutscher Reform-Eifer erlahmt

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%