Weltfinanzgipfel
G20-Gegner stürmen RBS-Filiale

Bereits vor Auftakt des G20-Gipfels in London haben sich Sicherheitskräfte Straßenschlachten mit Demonstranten geliefert. Ein Großaufgebot tausender Polizisten konnte aber nicht verhindern, dass Hunderte Gegner des hochkarätigen Besuchs von 20 Staats- und Regierungschefs eine Filiale der Royal Bank of Scotland (RBS) angriffen.

HB LONDON. Aus Protest gegen den G20-Gipfel haben Demonstranten in der Londoner Innenstadt die Fensterscheiben einer Filiale der Royal Bank of Scotland eingeworfen und das Bankhaus gestürmt. Sie schmierten das Wort "Thieves" ("Diebe") an eine Wand und bewarfen Polizisten mit Eiern und Obst. Insgesamt zogen mindestens 4 000 Demonstranten durch das Bankenviertel der britischen Hauptstadt. Acht Personen wurden Berichten zufolge festgenommen, weil sie Polizeiuniformen getragen haben sollen. Berichte über Verletzte gab es zunächst nicht.

Einige Teilnehmer der Demonstration versuchten, Polizeisperren vor der Bank von England zu durchbrechen. Sie riefen: "Schafft das Geld ab!". Aus der Menge wurden Bildnisse der "Vier Reiter der Apokalypse" empor gestreckt, die für Krieg, Klimachaos, Finanzverbrechen und Obdachlosigkeit stehen sollen. Einem als Osterhase verkleidetem Demonstranten gelang es kurzzeitig, die Barrikaden zu durchbrechen, bevor er von der Polizei gestoppt wurde.

"Die Gier, die die Menschen antreibt, zerreißt uns", rief ein Demonstrant. Der Musiker Billy Bragg verurteilte ausufernde Bonuszahlungen an Banker und rief zu Veränderungen auf. Die Veranstalter der Protestaktionen haben den 1. April vom "April Fools' Day" zum "Financial Fools' Day" (Tag der Finanznarren) erklärt.

Aus Sorge vor Ausschreitungen hatte die Polizei ein Großaufgebot tausender Polizisten aus dem ganzen Land in der Hauptstadt zusammengezogen. Ein Protestbündnis hat dem Finanzviertel einen "Sturm auf die Banken" angedroht. Die Londoner City präsentierte sich am Mittag quasi im Belagerungszustand. Vor der Bank von England, der Börse und anderen Finanzplätzen zeigte die Polizei massiv Präsenz. Beamte kontrollierten Passanten, während ein Hubschrauber permanent über der City kreiste.

Ein Protestbündnis hatte dem Finanzviertel für den 1. April einen "Sturm auf die Banken" angedroht. "Das wird einer der größten und kompliziertesten Aktionen, die wir je hatten", sagte ein Polizeikommandeur. Für eine Bedrohung des G20-Gipfels durch Extremisten gebe es aber keine Hinweise. Zeitgleich zum G8-Gipfel 2005 in Schottland hatten Islamisten in London Selbstmordanschläge auf Busse und U-Bahnen verübt, wobei 52 Menschen starben.

Angesichts der im Internet kursierenden Sturm-Drohung gegen den Finanzdistrikt hatten sich zahlreiche Londoner Banken und Restaurants vorsorglich mit Bretterverschlägen vor Steinewerfern und Randalierern geschützt. Die RBS steht besonders im Fokus: Ihr früherer Chef Fred Goodwin hat sich wegen üppiger Pensionszahlungen den besonderen Zorn von Kapitalismus-Kritikern zugezogen.

Die Gipfelgegner haben die Proteste unter Anspielung auf den als Scherztag bekannten 1. April unter das hintersinnige Motto "Financial Fools' Day" (auf deutsche etwa: "Tag der Finanznarren") gestellt.

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