Weltflüchtlingstag
Ein Leben mit der Angst

Nie seit dem zweiten Weltkrieg waren mehr Menschen auf der Flucht. Einer ist Levon Cholakhyan aus Armenien – ein Arzt, der arbeiten möchte, aber nicht darf, dem die Abschiebung droht. Auf den Spuren eines Schicksals.
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DüsseldorfNur ein einziges Mal stiehlt sich an diesem Mittag ein Lächeln auf ihre Lippen. Sie blicken einander an und erinnern sich, wie sie sich während eines Praktikums im Krankenhaus zum ersten Mal begegnet sind. Jetzt sitzen Levon Cholakhyan und Varduhi Hayrapetyan in der Küche der Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative Stay, neben ihnen ihr neun Monate alter Sohn David. Zu lächeln haben sie wenig, zu traurig ist ihre Geschichte. Denn vor zwei Jahren mussten sie aus Armenien fliehen.

Die Schicksale von Levon, Varduhi und ihrem Sohn David sind nur drei von mehr als 51 Millionen Flüchtlingsschicksalen weltweit. Am Weltflüchtlingstag an diesem Freitag meldet das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen: Die Zahl der Menschen, die auf der Flucht sind, ist auf dem höchsten Stand seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Kriege wie der im Irak könnten die Zahl wohl noch weiter ansteigen lassen.

Eigentlich hätten Levon (29) und Varduhi (24) in Armenien ein gutes Leben haben können. Levon ist Chirurg und Varduhi Pharmazeutin. „Ärzte verdienen in Armenien ähnlich viel wie hier“, erzählt er. Doch sein politisches Engagement wird ihm zum Verhängnis.

Juni 2011: An einem Tag steht plötzlich die Staatspolizei vor Levons Tür in Gjumri, der zweitgrößten Stadt Armeniens. Sie wollen Informationen, denn Levon gehört zu einem Bündnis von 13 Oppositionsparteien in Armenien. Levon lässt sich nicht einschüchtern, doch die Beamten lassen sich nicht abwimmeln, alle Tage klopfen sie wieder. Dann wird er verhaftet.

Immer wieder prügeln die Polizisten auf ihn ein, schlagen ihn mit Stöcken und Fäusten in den Bauch, dann auf Arme und Beine. Sie wollen Namen. Als Levon nichts sagt, ist der Kopf dran. Irgendwann verliert er das Bewusstsein. Erst nach 14 Tagen wird er entlassen.

Levon reist nach Deutschland, das Land kennt er schon vom Medizinstudium. Hier lässt er seine Verletzungen behandeln, für die Kosten von mehr als 3000 Euro kommt er selbst auf. Nach Monaten ist er endlich gesund genug, um zurückzufliegen. Als er aus dem Flieger steigt, wird er wieder verhaftet. Levons Onkel legt umgerechnet 7000 Euro auf den Tisch und Levon ist wieder frei. Doch für ihn ist klar: Er muss fliehen.

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Kommentare zu " Weltflüchtlingstag: Ein Leben mit der Angst"

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  • Die UN muss reformiert werden und sie muss vor allen den Respekt bekommen als Weltorganisation. Nachdem Amerika und der Westen viel Schuld an den Flüchtlingsströmem tragen , kommen nun die Flüchtlinge zu uns.

    Meiner Meinung nach müssen die westlichen Ländern nicht mit Bomben kommen, sondern als Paten. Wenn Deutschland in Afrika sich zwei Staaten aussucht und als Pate bei Infrastrucktur Aufbau und gesellschaftlichen Leben in Frieden und Wohlstand hilft , dann können das auch andere Länder und so wird ein Land nach dem anderen wieder zur Heimat. Die UNO muss so viel Macht bekommen, dass kein Staat sich traut UN Soldaten anzugreifen, die in das Land kommen.

    Das sind Träume natürlich kein Westler will Frieden, sondern Einfluss und Macht.

  • Ich meine, dass eine berechenbare und effizient handelnde Verwaltung gefordert ist.

    In der Schweiz plant man eine 24h Bearbeitung von hoffnungslosen Asylfällen.

  • Mit 27 Chirurg und mit 24 Pharmazeutin. Möchte mich von keinen der beiden behandeln bzw. beraten lassen.

    [...] Er sollte sich einfach mal anpassen. Wir Deutschen tun das auch. [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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