Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Automarkt
Für Japan ist ein Smart zu groß und zu klein

Rennversion der Minis

Doch Justin Gardiner, Chefverkäufer der britischen Supersportmarke Caterham in Japan, hält die Beschwerden der amerikanischen und europäischen Autoriesen für ein faule Ausrede. „Sie sagen, Kei-Cars sind eine künstliche Barriere, weil sie keine Kei-Cars haben“, schimpfte der Brite im Handelsblatt. Dabei seien die Regeln in Japan die einfachsten der Welt.

Es gebe keine Einfuhrzölle für Autos. Und die Vorschriften seien sehr klar, im Gegensatz zu anderen Märkten, so Gardiner. „Man liest die Regeln, folgt ihnen, und schon kann man ein Nummernschild aufs Auto kleben.“ Er selbst machte es vor.

Über Drinks erzählte er seinem Chef, er könne mindestens hundert Caterhams in Japan verkaufen, wenn der ihm eine Kei-Version auf die Straße stellen würde. Die Maße waren ohnehin klein genug. Und so bestellten die Briten Motoren von Suzuki und bauten sie ihn ihr Geschoss ein. Der Caterham Seven 160 war geboren, ein richtiger Renner.

Dem Gefährt geht zwar zwar bei 160 bis 180 Kilometern die Stunde die Puste aus. Dafür beschleunigen die 80 Pferdestärken den nur 500 Kilogramm leichten Sportwagen von null auf 100 km/h in nur 5,9 Sekunden. Auch in Europa verkauft sich die abgespeckte Version sehr gut, meint Gardiner.

Als ein Zeichen guten Willens hat Japans Regierung zwar die Begünstigungen für die Kei-Cars gesenkt. Aber selbst mit weniger finanziellen Anreizen wird dies Segment kaum ganz aussterben. Wissen Sie, belehrte Toyotas Konzernchef Akio Toyoda vorige Woche die Journalisten, in Japan hätten 85 Prozent der Straßen keinen Mittelstreifen.

Und das stimmt sogar. Erst kürzlich fuhr ich mit dem Kei-Cabrio Copen von Daihatsu eine solche Passstraße nordwestlich von Tokio entlang. Und an einigen Stellen hätten nur mit Ach und Krach gerade zwei Kei-Cars aneinander vorbeigepasst. Doch in vielen Gassen der Hauptstadt gelingt nicht einmal das.

Eigentlich ein ideales Pflaster selbst für Daimlers Nicht-Kei-Smart. Sollte man denken. Doch dass er nicht einmal als Kei-Version zum großen Hit wurde, liegt vor allem daran, dass er schon wieder zu klein ist. Wenn die Japaner schon einen Mini kaufen, soll er wenigstens Platz für vier Personen und etwas Gepäck haben.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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