Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Warenangebot in Brasilien

Qualität wie im Ostblock, Preise wie bei Feinkost Käfer

Egal ob Zahnpasta, Filzschreiber oder Frischhaltefolie: Weil brasilianische Produkte überteuert und qualitätsarm sind, werden Waren von ausländischen Urlaubsreisen gebunkert. Der Grund scheint offensichtlich zu sein.
2 Kommentare
In Ländern wie Brasilien kennt man eine große und hochwertige Produktauswahl wie in Deutschland nicht. Quelle: dpa
Qualität von deutschen Produkten

In Ländern wie Brasilien kennt man eine große und hochwertige Produktauswahl wie in Deutschland nicht.

(Foto: dpa)

São PauloBrasilianische Freunde wundern sich immer, was ich von meinen Deutschland-Reisen nach Brasilien mitbringe. Ich meine nicht Brot oder Müsli – Dinge, die man als Deutscher im Ausland typischerweise vermisst. Sondern ganz einfache Alltagsdinge wie Zahnpasta, Filzschreiber – ja selbst Wischlappen. Wenn noch Platz im Gepäck ist, sogar Frischhaltefolie. Denn auch nach zehn Jahren Boom in Brasilien mit dem Aufstieg von 30 Millionen Brasilianern in die Mittelschicht sind Angebot, Qualität und Auswahl an Konsumartikeln immer noch bescheiden – und das liegt nicht an der derzeitigen Krise.

Die Präsentation der Waren in Supermärkten auf dem flachen Land erinnert an Ostblock-Zeiten – die Preise jedoch eher an Feinkost Käfer. Deutsche Edeka-Filialen können locker mit den Edel-Supermärkten in brasilianischen Wohlstandsgegenden mithalten. Bei der Qualität sowieso: Die Frischhaltefolie ist in Brasilien so dünn, dass sie permanent reißt. Das Wattestäbchen verliert den Bauwollpfropf, kaum dass man es in die Hand nimmt. Der Dosenöffner gibt seinen Geist nach zwei Tomatendosen auf.

Für unsere Küche konnten wir zwischen genau zwei Spülmaschinenmodellen auswählen. Auf Garantie blieb die Maschine vier Monate in der Werkstatt, bis das fehlende Teil vom Lieferanten geschickt wurde. 95 Prozent des konsumierten Biers besteht aus drei Sorten von zwei Herstellern, die zudem ähnlich schmecken… Das ließe sich jetzt ewig so weiterführen. Wenn ich bei den Produzenten nachfrage, woran das liegen könnte, zählen sie die hohen Importzölle für Vorprodukte auf, die Lohnnebenkosten, die Bürokratie und so weiter.

Erst im längeren Gespräch erklären Anbieter, die verständlicherweise nicht genannt werden möchten, das gewöhnungsbedürftige Preis-Leistungs-Verhältnis mit der Genügsamkeit der Brasilianer. Man sei keine bessere Qualität gewohnt – und würde die auch nicht einfordern.

Ein Außenpolitikexperte führt das magere und überteuerte Warenangebot auf den fehlenden politischen Druck für einen Wandel zurück. Denn diejenigen, welche die größere, bessere und billigere Produktpalette im Ausland kennen würden, also die Wohlhabenden, würden sich ihre Produkte sowieso auf den Auslandsreisen mitbringen – sie machten also keinen politischen Druck zur Öffnung des Landes. Deswegen dominierten Protektionismus-Befürworter die brasilianische Wirtschaftspolitik.

Möglich, dass das stimmt. Ich bin auf jeden Fall immer ein bisschen neidisch, wenn Besucher aus Europa über die „erschlagende“ oder „überflüssige“ Angebotsüberfülle in den dortigen Supermärkten zetern: So schlimm fände ich zwanzig Sorten Joghurt im Kühlregal nicht.

Wofür die Europäer am meisten ausgeben
Platz 10: Hosen (Damen)
1 von 10

Mode geht immer: Im Jahr 2016 liegt der Umsatz mit Hosen und Jeans aus dem Bereich Damenbekleidung in Europa bei insgesamt 30,7 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Herren kommen nur auf einen Umsatz von 26,6 Milliarden Euro.

Quelle: statista.com. Die Rangfolge beruht auf den Daten des Statista Consumer Market Outlook und zeigt die Anteile der wichtigsten Produktkategorien am gesamteuropäischen Inlandsangebot von Fast Moving Consumer Goods und Bekleidung.

Platz 9: T-Shirts und Unterhemden
2 von 10

Laut der Studie lassen sich die Männer und Frauen aus Europa T-Shirts und Unterhemden jährlich um die 32,4 Milliarden Euro kosten. Der Wachstum in diesem Markt fällt allerdings zurück.

Platz 8: Brot
3 von 10

Deutsches Brot ist weltweit beliebt, seit 2011 befindet es sich auf dem Weg, zum Weltkulturerbe der Unesco zu werden. Europaweit wird in 2016 Brot in einem Gesamtwert von 34,6 Milliarden Euro gekauft.

Platz 7: Tafelwein
4 von 10

Laut Statista wurden im vergangenen Jahr allein in Italien rund 20,5 Millionen Hektoliter Wein getrunken. In Europa wird in diesem Jahr Wein im Gesamtwert von 38,9 Milliarden Euro gekauft. Außerdem auf Platz sieben: Lederschuhe.

Platz 6: Käse
5 von 10

Käse oder Wurst? Die Europäer mögen lieber das Milcherzeugnis. 39,2 Milliarden Euro geben sie dafür im Jahr 2016 aus, für Wurst nur 31 Milliarden.

Platz 5: Aufschnitt, Braten und Fleischwaren
6 von 10

Dafür schlagen sie beim Fleisch zu: 46,7 Milliarden Euro beträgt der Umsatz in diesem Bereich (ohne Wurstwaren, Schinken und Speck).

Platz 4: salzige und süße Kuchen und Gebäcke
7 von 10

Nach herzhaft kommt süß – oder in diesem Fall davor, denn Kuchen und Gebäck schaffen es auf Platz 4. 48,8 Milliarden Euro geben die Europäer für die Leckereien aus.

Startseite

2 Kommentare zu "Warenangebot in Brasilien: Qualität wie im Ostblock, Preise wie bei Feinkost Käfer"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

  • Der Grund ist einfach, nur traut sich keiner ihn zu nennen: Korruption. Keine Firma, kein Laden kann existieren, ohne einen guten Teil abzugeben an die Herrschenden, an die Politiker, die organisierte Kriminalität, die Polizei, die Verbraucherschützer etc. Das muss halt wieder reinkommen. Und warum hochwertige Waren anbieten, wenn das Bestechen der Kontrolleure billiger ist?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%