Rassenquote in Südafrika: Weiße Techniker unerwünscht

Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Rassenquote in Südafrika
Weiße Techniker unerwünscht

Frederik Willem de Klerk war der letzte weiße Präsident Südafrikas. Zum Jahrestag des Beginns des „neuen Südafrika“ zeigt er sich besorgt über die ohne Rücksicht auf die gesellschaftlichen Realitäten forcierte rassische Quotenregelung.
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KapstadtEs gibt Momente in der Geschichte, die zum Symbol einer ganzen Ära werden. Die Ermordung John F. Kennedys zählt genauso dazu wie der Fall der Berliner Mauer. Oder das Ende der Apartheid. Chronisten datieren dieses Ereignis und damit verbunden den Beginn des „neuen Südafrika“ auf den 2. Februar 1990. An jenem heißen Mittsommertag vor 27 Jahren hielt Frederik Willem de Klerk, der letzte weiße Präsident Südafrikas, seine erste Rede anlässlich der traditionellen Eröffnung des Parlaments. Erst ein knappes halbes Jahr im Amt, galt de Klerk damals gemeinhin als erzkonservativ und alles andere als ein politischer Reformer.

Folglich erwarteten auch die Auslandskorrespondenten, zu denen ich damals bereits zählte, nicht viel, als sie sich frühmorgens im Kapstädter Parlament einfanden. Doch de Klerk überraschte alle. Bis heute wird seine Ansprache deshalb als "DIE Rede" bezeichnet, weil sie das Land vom Kopf auf die Füße stellte. De Klerk verkündete die Zulassung der so lange verbotenen (schwarzen) Opposition, die bedingungslose Freilassung aller politischen Gefangenen, darunter Nelson Mandela, und die Abschaffung der fast 50 Jahre zuvor eingeführten Rassentrennung. Zur Erinnerung an das politische Erdbeben lädt die von ihm gegründete, gleichnamige Stiftung gemeinsam mit der Konrad Adenauer Stiftung seit ein paar Jahren am 2. Februar regelmäßig zu einer Zusammenkunft in Kapstadt ein, auf der die Lage im Land mit einer Reihe hochkarätiger Sprecher sondiert wird.

Anders als in den Vorjahren klang der inzwischen 80jährige de Klerk in seiner Rede zur Eröffnung der Konferenz (die in diesem Jahr bezeichnenderweise unter dem Titel „At another crossroads“ / "An einer neuen Kreuzung" stand), diesmal düsterer als in den Vorjahren. Was angesichts der akuten Bedrohung der Demokratie am Kap auch nicht wirklich überraschen kann. Ohne Umschweife wies dies de Klerk darauf hin, dass die versuchte Übernahme des Staates (state capture) durch Präsident Jacob Zuma und die eng mit ihm verbandelte indische Unternehmerfamilie Gupta die Verfassung des Landes unterminiert und fast alle Institutionen am Kap schwer in Misskredit gebracht habe, insbesondere die Strafverfolgungsbehörden aber auch viele andere wie etwa den Staatssender SABC oder den Strommonopolisten Eskom.

Kommentare zu " Rassenquote in Südafrika: Weiße Techniker unerwünscht"

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  • Und wenn dann irgendwann in den nächsten Jahrzehnten auch aus dem heute noch reichen Südafrika die (schwarzen) Qualitätsmigranten zu uns rüberschwappen, wird natürlich die Gutmenschenpresse auf die ewige Erbschuld und Verantwortung des bösen weissen Mannes als Verursacher dieser Migrationsbewegung hinweisen, obwohl ja mittlerweile hinreichend empirisch bewiesen sein sollte, dass es Schwarze auf sich gestellt nicht gebacken kriegen

  • Das ist ein mutiger Bericht den ich nicht in den Qualitätsmedien erwartet habe. Man findet auch keine der üblichen Formeln in denen die politische Korrektheit beschworen wird, bzw. um Verzeihung gebeten wird das die Fakten nicht mit der Ideologie im Einklang sind. Hochachtung!

    PS: Etwas mehr Fakten hätten den Artikel aufgewertet. Als Beispiel für die pigmentierte Vetternwirtschaft hätte man die Verbindung der Gupta Familie mit dem Präsidenten Zuma bei der Übernahme der Glencore Optimum Kohlemine erwähnen können.

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