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Weltgeschichte
Touristen leben in Südafrika gefährlich

In Südafrika machen Gangster den internationalen Flughafen von Johannesburg unsicher: Sie überfallen Touristen und rauben sie aus. Und die Polizei ist überfordert – oder macht mit den Verbrechern gemeinsame Sache.
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KapstadtSüdafrikas Gangster tummeln sich, so scheint es jedenfalls, besonders gerne am internationalen Flughafen von Johannesburg: Bei einem der spektakulärsten Raubüberfälle in diesem Jahr waren dort bereits im März einige als Polizisten verkleidete Gangster direkt an ein Flugzeug herangefahren, in das gerade Geldsäcke verladen wurden und hatten mehr als 20 Millionen Rand (1,5 Millionen Dollar) erbeutet. Wie es möglich war, dass Kriminelle sich dort anscheinend frei in Hochsicherheitsbereichen bewegen können, ist bislang ungeklärt.

Fast noch spektakulärer und für das Land noch rufschädigender war vor kurzem der brutale Raubüberfall auf eine Touristengruppe aus den Niederlanden, die gerade erst im Land angekommen waren. Auch in diesem Fall hatten sich die sechs Täter als Polizisten verkleidet, den Reisebus unterwegs gestoppt, Fahrer und Reiseführer gefesselt und danach in aller Ruhe die 36 Urlauber, darunter auch holländische Polizisten, mit vorgehaltener Waffe ausgeraubt. Zwei Reisende wurden verletzt.

Die Touristen befanden sich auf dem Weg zu ihrem Hotel im Norden von Johannesburg – und die Täter waren ihnen vom Flughafen aus gefolgt. Geschockt stornierte die Gruppe unverzüglich ihre dreiwöchige Rundreise – und landete bereits tags darauf  wieder in Amsterdam. Daran änderte auch der von Südafrikas Polizeiminister Fikile Mbalula angeschlagene martialische Ton nichts. Wie schon so oft vorher hatte Mbalula nach einem Besuch bei den ausgeraubten Touristen versprochen,  die Täter mit allen Mitteln zur Strecke zu bringen.

Zuletzt ist es trotz solch glühender Gelübde immer wieder zu neuen Überfällen auf in Johannesburg gelandete Fluggäste gekommen, darunter auch Geschäftsleute. Die Täter folgen ihren Opfern dabei oft im Auto vom Flughafen bis vor ihr Haus oder Hotel oder rauben sie, wie im Fall des Reisebusses, bereits unterwegs auf dem Highway aus. Für nicht wenige Johannesburger ist es deshalb längst zur Routine geworden, abends bei der Heimkehr erst einmal am eigenen Haus vorbeizufahren, um zu sehen, ob ihnen jemand auflauert oder folgt.

Nach Jahren des Rückgangs sind zuletzt gerade die schweren Verbrechen in Südafrika wieder gestiegen – schwerer Raub zum Beispiel seit 2012 um 31 Prozent, Morde um 20 Prozent. Viele Verbrechen sind dabei offenbar generalstabsmäßig organisiert und nicht etwa spontan. Selbst der Polizeiminister gesteht inzwischen ein, dass ein Großteil der Überfälle am Flughafen Insider-Jobs sind und unter Beteiligung der Polizei oder des Sicherheitspersonals erfolgen.

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Überfälle auf Privathäuser

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  • Nach über 10 Jahren idividuellem Reisen durch Namibia und Südafrika wurden wir in diesem Jahr am Vortag unserer Rückreise am hellen Tag (ca. 15 Uhr) auf dem belebtem 5 spurigen Freeway bei Johannesburg von einer "Zivilstreife" mit angeblichen Polizisten aus dem fließenden Verkehr "herausgehupt", angehalten und kontrolliert. Mein Fehler war, dass ich mich durch ein großes Polizeiemblem blenden ließ, das die drei Schwarzen durch die Seitenscheiben hoch hielten und ich danach nicht auf eine weitere Ausweisung als Polizisten bestand. Wir wurden dann unter dem Vorwand, einen kürzeren Weg zuu Hotel gezeigt zu bekommen, vom Freeway herunter gelotst und ein paar Straßen weiter erneut angehalten. Alle Wertsachen wurden zunächst lokalisiert und identifiziert (Geld etc.).
    Da wir dann aber laut um Hilfe riefen und nach außen hin gestikulierten (es war eine normal befahrene Straße), ließen die drei Männer urplötzlich von uns ab und flüchteten. Ohne Beute.

    Der eigentliche Schock kam am Tag danach: bei der Flughafenpolizei (7 besetzte Schalter, an 5 Schaltern spielten die Polizisten aus Langeweile an ihren Smartphones, es waren außer uns keine Kunden da) zeigte man keinerlei Interesse an dem Fall, obwohl wir auch ein Foto des Fahrzeuges dieser "Zivilstreife" hatten mit gut lesbarem Kennzeichen. Wenn einem die Polizei nicht mehr hilft, ist man in so einem Land als Tourist verloren. Es war wahrscheinlich das letzte Mal, dass wir dort waren. Nach ihrem Bericht wird das noch wahrscheinlicher.

    Viele Grüße

    M. Gerhard

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