Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Kampf der sozialen Stände
Die Gentrifizierung der Trockenwurst

In Frankreich tobt der Kampf zwischen Arm und Reich – vor allem bei den Essgewohnheiten. Die Wohlhabenden fordern fettfreie Wurst, die untere Schicht bezahlbares Gemüse. Doch kann die Gentrifizierung gestoppt werden?
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ParisWie in vielen anderen Großstädten tobt in Paris ein permanenter Kampf zwischen Wohlhabenden, Mittelschicht und Habenichtsen um einzelne Stadtviertel. Meist geht es um Wohnraum und Arbeitsstätten, aber die Auseinandersetzung findet auch auf anderen Schauplätzen statt. Die Soziologen Michel und Monique Pinçon beschreiben, wie sich die Essgewohnheiten in Vierteln verändern, die von volkstümlichen zu gehobenen wurden, etwa im Marais oder rund um die Place de la Bastille.

In der Rue de Lappe, nicht weit von Bastille entfernt, gibt es die traditionelle Metzgerei „Aux produits d’Auvergne“, wo es Produkte aus dem Zentrum Frankreichs zu kaufen gibt wie eine regionstypische luftgetrocknete Wurst. Die bereitet dem Chef Sorgen: Die neue Kundschaft achtet mehr auf ihre Linie als die früheren Käufer. Sie mag keine fetthaltige Wurst, deshalb muss der Metzger sich oder besser gesagt sein Rezept umstellen: „Ich habe den Fettgehalt verringert, die Wurst enthält jetzt fast nur noch Fleisch.“ Mit einer klassischen Auvergne-Wurst habe das nicht mehr viel zu tun, aber was bleibt ihm anderes übrig.

Ähnliche Entwicklungen sieht man in anderen Stadtteilen, etwa in einem der ärmsten, La Goutte d’Or im 18. Arrondissement im Norden von Paris. Emile Zola beschrieb es als einen Hort des Elends, dabei finden sich durchaus sehr schmucke Bürgerhäuser. Nach den 60er-Jahren setzte eine massive Zuwanderung ein, aus Nordafrika und afrikanischen Staaten. Auch hier hat die Gentrifizierung begonnen, weil mit Quadratmeterpreisen um 6.500 Euro Wohnraum für Pariser Verhältnisse noch sehr preiswert ist.

Doch die seit Jahrzehnten ansässige ursprünglich zugewanderte Bevölkerung weicht nicht so leicht. In einer der zentralen Straßen der Goutte d’Or, wie der Rue de Suez, fühlt man sich auf einen afrikanischen Markt versetzt. Als Weißer ist man hier noch eine exotische Randfigur. Drei Arten von Geschäften prägen das Bild: Gemüseläden mit allerlei Knollengewächsen wie Maniok, Friseure und Stoffgeschäfte. Wer Wax-Stoffe mit den farbenfrohen afrikanischen Motiven liebt, findet hier das beste und günstigste Angebot in Paris. Die Ware kommt teils aus Holland, teils aus Afrika. Immer mehr finden die Stoffe verarbeitet zu Blusen, Kleiden und Jacken mittlerweile in Mainstream-Modegeschäften auch in anderen Stadtteilen.

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Manche Orte von Gentrifizierung verschont

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