Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Keine Anerkennung in New York
Trumps einseitige Heimatliebe

Donald Trump ist stolzer New Yorker, sein Tower steht mitten im Herzen von Manhattan. Aber die Stadt konnte sich mit dem designierten Präsidenten der Vereinigten Staaten nie anfreunden – bis jetzt. Eine Weltgeschichte.
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New YorkDie Wolkenkratzer von Manhattan sind eine in Stein gemeißelte Erfolgsgeschichte. Wer hier her kommt, der will es schaffen, sich durchsetzen. Einer von ihnen ist Donald Trump, der in Queens zur Welt kam.

Wer in dem New Yorker Stadtteil in einem der zahllosen Häuschen aufwächst, blickt sein Leben lang auf die Hochhäuser von Manhattan – und kommt sich erst einmal klein vor. Trump ließ sich nicht beeindrucken, mit der Millionen-Starthilfe von seinem wohlhabenden Vater schaffte er den Sprung über den East River.

Sein ganzer Stolz ist der Trump Tower auf der 5th Avenue. Verspiegelt, vergoldete Wände, Wasserfall in der Lobby – über die Ästhetik des Gebäudes kann man streiten. Aber ohne Frage ist der Wolkenkratzer ein Machtbeweis, Ausdruck der Minderwertigkeitsgefühle eines Queens-Aufsteigers, der es allen zeigen will: Seht her, ich habe es geschafft.

Wie viele Neuankömmlinge galt Trump in der besseren Gesellschaft der Stadt nicht als erste Wahl. Mit seinem Protz, seinen jungen Frauen und seiner Eitelkeit brach der 70-Jährige mit vielen Tabus. Reiche New Yorker geben sich gern „sophisticated“ – ein schwierig zu übersetzendes Wort, das Anspruch mit Fähigkeiten und Wissen vereint. Die Kultur Europas gilt bei ihnen als höchstes Ideal. Aber nicht das Europa aus dem 18. Jahrhundert, das Trump mit seinen fin-de-siècle-Möbeln, wie roten Samtkissen und goldenen Stühlen, aufleben lässt.

Auch die Lautstärke von Trump gefällt nicht jedem in New York. Er arbeitete in der Immobilienbranche, einer traditionell verschwiegenen Branche. Kaum jemand kennt die Familien Durst oder Le Frak, die viel mehr Gebäude besitzen als Trump – sie geben selten Interviews und halten sich auch sonst zurück, weil es dem Geschäft nichts bringt.

Nicht zuletzt distanziert sich Trump mit seinen politischen Ansichten von New York. Die Stadt ist eine Hochburg der Demokraten, die mit überwältigender Mehrheit für Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton stimmte. Viele der reichen Stadtbewohner haben liberal-linke Ansichten und können wenig mit dem Rechtsaußenkurs von Trump anfangen.

Allerdings ist New York eine Stadt der Macht. Wer Erfolg hat, wird gefeiert. Mit seinem Wahlsieg könnte Trump schaffen, was ihm in vielen Jahrzehnten nicht gelungen ist: Die Anerkennung New Yorks zu erlangen. Der Mann sitzt bislang in keinem der Aufsichtsgremien der wichtigen Museen, Opern oder Philharmonien. Dieser Ritterschlag könnte kommen – der Junge aus Queens hätte es endlich geschafft.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

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