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Weihnachten in den USA

Warum niemand „Merry Christmas“ sagt

New York gibt sich mit seinem Tannenbäumen, Straßenschmuck und Schaufensterdekorationen als Weihnachtsstadt. Überall bimmelt, leuchtet und blinkt es. Aber „Merry Christmas“ sagt hier niemand.
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Zur Weihnachtszeit blinkt und leuchtet es in ganz New York. Quelle: AFP
Es blinkt

Zur Weihnachtszeit blinkt und leuchtet es in ganz New York.

(Foto: AFP)

New YorkDer Weihnachtsbaum am Rockefeller Center. Die Schlittschuhläufer im Central Park. Die Rockettes mit ihren rot-weißen Tanzkostümen. Die Schaufenster von Bloomingdale’s. Macy's oder Saks Fifth Avenue mit Weihnachtsdekoration. Überall in New York bimmelt es, überall leuchtet es, überall huschen Menschen mit Einkaufstaschen und Geschenken und durch die Straßen.

New York ist die Weihnachtsstadt. Aber „Frohe Weihnachten“ sagt niemand. Stattdessen heißt es „Happy Holidays“, rufen sich die Menschen „frohen Urlaub“ zu. Warum das so ist, erscheint trivial, um beim genaueren Hinsehen einen interessanten Einblick in Amerika zu geben.

Mit diesen Präsenten machen Sie Ihre Mitarbeiter glücklich
Nur jeder Fünfte bekommt jährlich Geschenke
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Die meisten Arbeitnehmer gehen an Weihnachten offenbar leer aus. Denn nur jeder fünfte Angestellte hierzulande erhält jedes Jahr zum Fest der Liebe ein Geschenk von seinem Vorgesetzten. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IPSOS, das im Auftrag des Kundenbindungsdienstes Cadooz 1000 Angestellte zu Weihnachtsgeschenken vom Chef befragt hat. 70 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Chef ihnen noch nie ein Präsent gemacht hat.

Wert liegt meist unter 44 Euro
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Die Mehrheit der Arbeitnehmer bekommen der Umfrage zufolge Sachgeschenke, deren Wert unter 44 Euro liegt – und damit steuerfrei sind. „Diese Geschenke sind ein effiziente Maßnahme, um Mitarbeiter an ein Unternehmen zu binden. Das ist gerade in einem zunehmend aufgeheizten Arbeitsmarkt wichtig, in dem Arbeitgeber um Fachkräfte buhlen“, sagt Stefan Grimm, Cadooz-Vizepräsident im Bereich Sales & Marketing. Aufgrund des Steuerfreibetrages ist es also kaum verwunderlich, dass nur etwas mehr als jeder Zehnte der Beschenkten angab, dass die Präsente den Wert von 60 Euro überschreiten.

Unabhängig davon, ob Mitarbeiter Geschenke bekommen, hat das Meinungsforschungsinstitut auch ermittelt, über welche Präsente sich deutsche Arbeitnehmer freuen würden.

Platz 5: Kinogutscheine
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17 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich über einen Kinogutschein vom Chef freuen würden. Vor allem für Arbeitnehmer zwischen 16 und 29 Jahren ist der Kinogutschein laut Untersuchung besonders attraktiv. „Mit Gutscheinen liegen Unternehmen bei den Beschenkten fast immer richtig, denn damit können sie sich das aussuchen, was ihnen gefällt“, sagt Grimm.

Platz 4: Büchergutscheine
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Luftsprünge macht jeder fünfte Arbeitnehmer der Studie zufolge bei einem Büchergutschein. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Vorgesetzte mit diesem Präsent richtig liegt, ist bei weiblichen Angestellten allerdings höher als bei männlichen: Während fast jede vierte Frau angab, sich einen Büchergutschein zu wünschen, waren es unter den Männer nur 14 Prozent.

Platz 3: Sachgeschenke
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Auf Platz drei im Ranking landen Sachengeschenke wie Schreibutensilien, Haushalts- oder Technikgeräte. 22 Prozent der Befragten würden sich darüber zum Weihnachtsfest freuen – Männer laut Untersuchung tendenziell eher als Frauen. Doch bei Sachgeschenken ist aus Arbeitgebersicht Vorsicht geboten: „Unpassende Geschenke werden oft direkt weiterverschenkt. Und darüber freut sich dann nicht einmal der Nächste “, weiß Grimm.

Platz 2: Restaurantgutscheine
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Kulinarische Geschenke liegen offenbar im Trend: Jeder Dritte würde es begrüßen, wenn sein Chef ihm zu Weihnachten einen Restaurant-Gutschein schenkt.

Platz 1: Universalgutscheine
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Universal-Gutscheine sind vielseitig einsetzbar – egal ob beim Shoppen, Tanken oder Wocheneinkauf. Der Chef hat also gute Chancen, dass er den Geschmack seines Mitarbeiters trifft, wenn er ihm dieses Präsent unter den Tannenbaum legt. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass sie sich über Universal-Gutscheine freuen würde.

Staat und Kirche sind in den USA viel stärker als in Deutschland getrennt. Eine für Europäer oft überraschende Sache, schwört doch der Präsident auf die Bibel, steht auf dem Dollarschein „Wir vertrauen in Gott“ oder ist oft von dem „Bibelgürtel Amerikas“ die Rede.

Doch der Anschein trügt. Es gibt keine Kirchensteuer. Gott wird in der amerikanischen Verfassung nicht genannt. Als die „Gründungsväter“ 1787 das in den USA heilige Dokument verfassten, war das Land wie heute eines mit vielen Religionen. Calvinisten, Katholiken, Presbyterianer, Quäker oder Wiedertäufer – keiner sollte ausgeschlossen werden. Wer genau hinschaut in New York, wird fast immer auf öffentlichen Plätzen einen neunarmigen Leuchter neben dem Weihnachtsbaum stehen sehen, der an das jüdische Chanukka erinnert, das zur gleichen Zeit begangen wird.

Es gibt auch keine gesetzlichen religiösen Feiertage. Die Feiertage beziehen sich alle auf die Geschichte Amerikas. Der wichtigste ist Thanksgiving, das am letzten Donnerstag im November als „Dankeschön“ der ersten Siedler zu gelungenen Ernte begangen wird. Auch andere Tage, wie Veterans Day, an dem Kriegsveteranen geehrt werden, oder Martin Luther Day in Gedenken an den schwarzen Bürgerrechtler, sind säkularen Ursprungs.

Die strikte Trennung zwischen Kirche und Staat hat viele historische Gründe. Die ersten Siedler waren auf der Flucht vor Verfolgung, sie lehnten den Papst und die katholische oder anglikanische Kirche ab, die sich in ihren weltlichen Ansprüchen von den Reformisten bedroht sah.

Für die Puritaner war Religion zwar mit vielen strengen Regeln versehen, aber in erster Linie Privatsache. Ihre strenge Sittenmoral ermöglichte die erste moderne Demokratie der Welt. Religion und Freiheit sind „Kameraden“, wie es der französische Politphilosoph Alexis de Tocqueville auf seiner Reise 1831 durch Amerika beobachtete: „In der moralischen Welt ist alles arrangiert, koordiniert, vorweggenommen und im Voraus entschieden“, schrieb der Franzose. „In der politischen Welt ist alles unsicher, umstritten und wird diskutiert“.

Lange vor der amerikanischen Revolution herrschte auf kommunaler Ebene eine lebendige Demokratie in Neuengland, die der englische König duldete. Für ihn waren diese Kolonien nicht sehr wichtig und brachten weniger Geld als Indien oder andere Besitztümer. Nicht aus Zufall fand die „Tea Party“ und erste Revolution in Boston statt – der Hauptstadt der Puritaner.

In dem Sinne wünsche ich Ihnen ein demokratischen „Frohen Urlaub“.

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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