Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Japanische Innovationen
Klopapier fürs Handy und andere Aufmerksamkeiten

Auf den ersten Blick erscheinen einige Ideen aus Japan verschroben. Aber wer sich von der ersten Überraschung erholt, entdeckt oft einen tieferen Sinn – so wie im Toilettenpapier fürs Smartphone. Eine Weltgeschichte.
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TokioErst hielt ich die Nachricht für einen Scherz aus der Rubrik „Crazy Japan“: Klopapier fürs Handy? Das hätte selbst ich den Japanern nicht zugetraut. Aber als ich kürzlich von einem Kurzurlaub am Flughafen Narita eintraf, wurde ich eines besseren belehrt. Tatsächlich hing auf der Toilette in der Ankunftshalle ein kleine Rolle mit Papier für das Smartphone neben dem Klo. „Welcome to Japan“ war auf das Papier aufgedruckt, inklusive einer Gebrauchsanleitungen sowie den Informationen über das Wifi-Netzwerk und eine Übersetzungs- und Reise-App des Sponsors der Aktion.

NTT Docomo heißt der geistige Urheber der Idee. Das Unternehmen ist Japans größter Mobilnetzanbieter, der so offenbar bis zum März diesen Jahres eine neue Art der Werbe- und Willkommenskampagne erprobt. Und wie so viele japanische Dinge erscheint auch dieser Einfall nur auf den ersten Blick verrückt. Hat man sich erstmal von der ersten Überraschung erholt und geistige Offenheit bewahrt, ergibt das ganze auf einmal einen Sinn.

In diesem Fall erinnert der Netzbetreiber daran, dass Touchscreens einer Petrischale zur Bazillenzucht gleichen. „Auf dem Smartphonedisplay gibt es fünf mal so viele Bakterien wie auf einem Toilettensitz“, erklärt NTT Docomo in einem YouTube-Video seine kleine Aufmerksamkeit. Und die Klobrille decken viele Menschen vorsichtshalber ab, bevor sie sich drauf setzen. Warum nicht auch mal das Handy reinigen?

Hm, gar nicht so dumm, dachte ich mir, und rubbelte das Display sorgfältig ab. Danach dankte ich dem einen Herrgott und den acht Millionen japanischen Göttern, dass es mit Japan wenigstens ein Land auf der Welt gibt, in dem scheinbar verrückte Ideen wie diese umgesetzt werden können, die in Wirklichkeit mehr oder wenig dringende menschliche Bedürfnisse befriedigen. Denn das Handypapier ist nur die Spitze eines Massenphänomens.

Ideen mit internationaler Karriere

Ich freue mich immer wieder, wenn ich auf Produkte stoße, von denen ich gar nicht wusste, dass ich sie vermissen würde. Nehmen wir einmal genoppte Luftpolsterfolie. Ursprünglich wurde sie erfunden, um fragile Fracht bruchsicher zu verpacken. Doch wer hat nicht schon einmal die kleinen Luftblasen mit den Fingern zum Platzen gebracht? Ein japanischer Hersteller dieser Folie kam daher vor ein paar Jahren mit einer Sonderedition auf den Markt, die psychologisch besonders befriedigend ploppte.

Sie wurde speziell als kleines Quadrat zugeschnitten in kleinen Geschenkdosen verkauft. Auch für Süchtige Noppenplopper wurde gesorgt. Ein Spielzeughersteller lancierte für sie ein kleines Plastikprodukt mit Gumminoppen, mit der Nutzer ihren Stress abbauen konnten, ohne dass ihnen der Nachschub an Plopps ausging. Ich gestehe, nicht so befriedigend wie eine reale Folie, aber kosteneffizient.

Einige Ideen machen sogar international Karriere, ob wissentlich oder unwissentlich weiß ich allerdings nicht. Kürzlich sah ich im Internet kleine Geräte mit Knöpfen und Schaltern, die zum Klicken und Drücken einladen. Für mich sahen die aus wie besser designte Varianten von Plastikgimmicks, die ich in Japan schon vor Jahren gesehen habe.

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Für jedes kleine Bedürfnis gibt es einen Markt

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