Weltgeschichten unserer Korrespondenten

USA Von Tradern und Rubbellosen

In Zeiten des Computer-Tradings scheint der Parketthandel an der Wall Street vollkommen veraltet. Doch New Yorks Trader sind überzeugt, dass es sie auch in zehn Jahren noch geben wird.
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Der Bilderdienst Shutterstock feiert seinen wichtigen Meilenstein – eine Milliarde verkaufte Lizenzen - an der Wall Street, wo die Aktie gehandelt wird.
NSYE

Der Bilderdienst Shutterstock feiert seinen wichtigen Meilenstein – eine Milliarde verkaufte Lizenzen - an der Wall Street, wo die Aktie gehandelt wird.

New YorkWall Street ist Showtime. Heute war ich auf dem Parkett der New York Stock Exchange. Auch als langjährige Wirtschaftsjournalistin kann ich mich der Faszination dieses Ortes, keine Hundert Meter von unserem Büro entfernt, nicht entziehen. Vor allem, nachdem ich zuvor in Mailand gearbeitet habe, wo der Handel schon vor vielen Jahren komplett automatisiert wurde und der Handelsraum der Börse nur noch als Konferenzzentrum dient.

An der Wall Street dagegen laufen tatsächlich noch Händler in ihren unförmigen Kitteln durch den Raum. Vor allem die Trader von Optionsscheinen rufen sich Zahlen zu. „Seven fifty sell!“ schreit der eine. „I am basically flat!“ ruft der andere, worum es auch immer geht. Andere hacken auf die bunten Tasten ihrer Terminals ein oder erklären ihrem Nachbarn einen komplizierten Chart am Monitor.

Dann ist Showtime. Der Gründer des Bilderdiensts Shutterstock, Jon Oringer, läutet die Schlussglocke. Das Unternehmen feiert seinen wichtigen Meilenstein – eine Milliarde verkaufte Lizenzen - an der Wall Street, wo die Shutterstock-Aktie gehandelt wird.  

Aber was wäre solch ein Auftritt ohne das bunte Treiben drum herum? Vor einem leeren Saal nur mit Computern würde wohl keiner eine Glocke läuten wollen.

Dennoch frage ich, wofür es die Händler noch gibt. Man weist mich darauf hin, dass die Nasdaq beim Börsengang von Facebook ein Computerproblem hatte, das den Handel um vier Stunden verspätet hat. Das könnte hier nicht passieren. „Unsere Leute hätten das in 20 Minuten wieder zum Laufen gebracht“, erklärt mir ein Mitarbeiter. Und der Trader mit der Nummer 211 auf dem blauen Kittel nickt zustimmend.

Der Citadel-Händler 211 heißt John McNierney und ist für den Handel mit Aktien wie General Electric und Caterpillar zuständig. Er ist seit 22 Jahren dabei und hat schon viel gesehen an der Wall Street. Etwa den ersten Handelstag nach dem 11. September und die gruseligen Tage der Finanzkrise. „Das Parkett hat sich gewandelt über die Jahre. Aber uns wird es auch in zehn Jahren noch geben“, sagt er voller Überzeugung.

Eine Frage, die mich seit Monaten beschäftigt, muss ich ihm dann doch noch stellen: Warum kaufen so viele Trader an dem Kiosk vor unserem Büro Rubbel-Lose, wenn sie doch ihr Geld an der Börse machen könnten? „Wahrscheinlich ist es die Wett-Natur von uns“, erklärt McNierney mit der Nummer 211. „Aber ich kaufe keine Rubbellose“, versichert er. Ich werde drauf achten.

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