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Weltgeschichte Die New Yorker spenden gern – lehnen aber ein Obdachlosen-Heim in der Nachbarschaft ab

Auf einer der größten Prunkstraßen New Yorks soll ein Obdachlosen-Heim entstehen. Doch die sonst so auf Wohltätigkeit bedachten Anwohner laufen Sturm.
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Mitten in einer der angesagtesten Gegenden New Yorks soll ein Obdachlosen-Heim entstehen. Quelle: dpa
Skyline von Manhattan

Mitten in einer der angesagtesten Gegenden New Yorks soll ein Obdachlosen-Heim entstehen.

(Foto: dpa)

New YorkNew York ist die Stadt der Charity-Events. Wohl in kaum einer anderen Stadt wird die Wohltätigkeit so sehr zelebriert wie hier. Wer Geld hat, muss auch Geld geben für jene, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Aber diese löbliche Tugend der Amerikaner hat ihre Grenzen, wie sich gerade in Manhattan zeigt.

Dort soll, nur einen Block von der Carnegie Hall, dem Lincoln Center, dem Central Park und gleich hinter dem neuen Luxus-Hochhaus One57 ein Obdachlosen-Heim entstehen. Insgesamt 140 obdachlose Männer sollen im ehemaligen Park Savoy Hotel einen Schlafplatz finden.

Das wäre ein ziemlicher Kontrast zur „Billionaire`s Row“ – wie die Prallstraße auch gerne genannt wird. Schließlich stehen auf der 57. Straße gleich mehrere Luxushochhäuser. Mehrere Milliardäre nennen eine Wohnung im neuen Prunkbau One57 ihr eigen. Der IT-Unternehmer Michael Dell hat sein New Yorker Domizil für 100 Millionen Dollar erworben, den höchsten Preis, der je für eine New Yorker Immobilie bezahlt wurde.

Die Bewohner finden die Entscheidung der Stadt gar nicht lustig. Bürgermeister Bill de Blasio erfüllt damit aber ein Wahlversprechen, die vielen Obdachlosen nicht in die ohnehin schon schwierigen Außenbezirke der Stadt abzuschieben, sondern auch in den Gegenden unterzubringen, wo die Mittel- und Oberklasse wohnt.

Doch die ist nun besorgt. Sie argumentiert, dass die Kriminalität in ihrer Gegend steigen werde, wenn die Obdachlosen dort wohnen. Und so protestieren die Anwohner gegen die geplanten Nachbarn.

Sie spenden sicher gerne für Menschen ohne ein festes zuhause. Aber bitte nicht in ihrer Nachbarschaft. Das mindert schließlich auch die Immobilienpreise. Nimby – Not In My BackYard – gilt auch in New York.

In unserem Viertel Park Slope in Brooklyn haben wir bereits ein Obdachlosenheim für Frauen. Und auch dort kann man beobachten, wie konservativ und kritisch die sonst so liberalen Brooklyner werden, wenn es darum geht, die oft nicht einfachen Nachbarinnen auszuhalten. Man hilft eben gerne – will die Hilfsbedürftigen aber gerne weit weg haben, wenn man nach Hause kommt.

Immerhin ein Anwohner in Manhattan unterstützt das geplante Heim im ehemaligen Hotel: „Ich glaube an das Recht auf ein Heim. Wir haben enorme Probleme in New York und wir brauchen Orte, um die Menschen aufzunehmen“, sagte John Sheehan, der für die Fifth Avenue Presbyterian Church arbeitet. Sie liegt zwei Blocks weiter und direkt neben dem Trump Tower.

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