Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Tiger in Italien
Emotionen im Angebot

Nirgendwo boomt die dänische Kette Tiger mehr als in Italien. Warum ausgerechnet dort? Weil ein Italiener Chefdesigner ist? Nicht nur – es gibt auch andere Gründe für den Erfolg. Eine Weltgeschichte.
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RomDie bunten Weihnachtsbäume zum Aufblasen sind weggeräumt, ebenso die Lichterketten. Im Januar ist Afrika das Thema, es gibt knallig bunte Kissen, Kalender und Radierer in Löwenform. „Das geht gut weg, aber richtig ab geht es dann wieder im Februar, wenn der Shop voller Herzen ist, denn San Valentino ist bei den italienischen Kids der höchste Feiertag“, sagt Federico Conti. Der hochgewachsene 28-Jährige, durchgestylt mit gepflegtem Undercut und ausrasiertem Bart, ist der Shopmanager der größten Tiger-Filiale in Rom an der Piazza Venezia. Durchs Fenster schauen die elf Angestellten und ihre Kunden auf die „Schreibmaschine“, wie in Rom das weiße Nationaldenkmal für Viktor Emanuel II. heißt.

Drinnen drängeln sich die Leute, aber nicht etwa nur die Touristen aus der ganzen Welt, die hier gezwungenermaßen vorbeikommen und die die dänische Einzelhandelskette mit ihren weltweit 643 Filialen in 28 Ländern von zuhause kennen. Nein, es sind die Italiener, die mit staunenden Augen in die Shops kommen – alle Generationen, ganze Schulklassen, Regierungsangestellte in der Mittagspause und Pensionäre. „Klar, erst staunen sie, dann lachen sie“, sagt Federico und holt seinen Longseller aus dem Regal: den „toilet-fiskedam“, einen kleinen Plastik-Fischteich mit Magnetangel, der die Sitzung unterhaltsamer gestalten soll.

Skandinavisches Design, sinnlose wie sinnvolle Dinge – und in puncto Bürobedarf ein Eldorado für Expats und Korrespondenten – dazu kleine Preise, dieses Konzept geht in Italien perfekt auf und auch besser als in anderen Ländern. Andauernd macht ein neuer Tiger-Shop auf, allein in Rom sind es bereits 16, im ganzen Land schon 96. Pro Tag kämen zwischen 2000 und 2500 Leute in seine Filiale, erklärt Federico, geöffnet ist jeden Tag von 9.20 Uhr bis 21 Uhr. „Da kommt schon die Bevölkerung einer Kleinstadt im Monat zusammen“, sagt er. Italien ist für die Kette Tiger, die 1995 in Kopenhagen entstand und heute Flying Tiger Copenhagen heißt, weltweit der zweitgrößte Markt nach Dänemark.

Von wegen glückliche Dänen, hier kann man glückliche Italiener sehen. Sie staunen, lachen und shoppen. Warum ausgerechnet sie? Es gibt mehrere Gründe. Einmal, weil es in Italien keine anderen Geschäfte im Tiger-Stil gibt, also keine direkte Konkurrenz wie etwa in Deutschland – entweder gibt es traditionelle Geschäfte mit Verkaufstresen, an denen Angestellte die gewünschte Ware für den Kunden holen oder Straßenstände, an denen fliegende Händler alles von Unterwäsche bis Kosmetikartikeln zu kleinen Preisen verkaufen – alles ist nicht nur billig, sondern sieht auch so aus.

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