Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte
Das nächste Level

Viele anerkannte Flüchtlinge und Asylbewerber aus Afrika landen in Italien. Dort hat ein Afrikaner jetzt das soziale Start-up des Jahres erfunden: Die App „Mygrants“ informiert Flüchtlinge spielerisch über das Leben in Europa.
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Rom„Hier geht es nicht um ein Ehrenamt oder freiwilligen Hilfsdienst, hier geht es um Business, allerdings um ethisches Business “, sagt Chris Richmond Nzi. „Und bis Ende des Jahres wollen wir einen Umsatz von 300.000 Euro erwirtschaftet haben.“ Der hochgewachsene 32-jährige Startupper von der Elfenbeinküste ist sehr selbstbewusst. Nicht zum ersten Mal macht er eine Präsentation seines Projekts „Mygrants.it“.

An diesem Abend stellt er seine Innovation in Rom vor, dafür ist er eigens aus Bologna gekommen, wo er lebt und arbeitet. Er hat eine App konzipiert und in Rekordzeit mit Hilfe eines Business Angels realisiert. Sie ist erst seit April aktiv, hat aber schon im September den mit 5000 Euro dotierten Preis für die beste soziale App unter 600 Bewerbern gewonnen, den die italienische Organisation Digital 4 Non-Profit (#D4NP) auslobt. Jetzt sei er gerade im Dialog mit neuen Investoren, sagt Richmond Nzi.

Seine Idee ist genial und disruptiv zugleich. Denn das Flüchtlingsthema beherrscht die Medien seit Monaten und beschäftigt die Menschen. Zu den Bildern von Migranten aus Afrika, die auf dem Mittelmeer aus Seenot gerettet werden, kommen in letzter Zeit Fotos, Videos und Augenzeugenberichte aus den Lagern in Libyen, wo die Menschen aus den Subsaharaländern unter menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten werden. Von Folter, Gewalt, Vergewaltigungen, gar Sklavenhandel ist die Rede. Erst gerade wurde beim EU-Afrika-Gipfel in Abidjan beschlossen, den Flüchtlingen in dem Transitland Libyen zu helfen. Die Regierung soll die Lager zugänglich machen und die Menschen sollen in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden, wo sie mit EU-Geldern einen neuen Start ermöglicht bekommen sollen.

Dabei geht es um Wirtschaftsflüchtlinge. Viele Afrikaner landen aber in Italien und damit in der EU, die aus Kriegsgebieten kommen und um Asyl bitten. Oft dauert es, bis sie ihren Rechtsstatus geklärt haben und auch danach werden sie nicht mit offenen Armen empfangen. Während die meisten neuen Apps den Helfern aus der Zivilgesellschaft vor Ort helfen, sich zu vernetzen, richtet sich „Mygrants“ direkt an die Migranten.

„Die App ist aufgemacht wie ein Computergame“, erklärt er, „man muss Fragen richtig beantworten, um auf das nächsthöhere Level zu kommen.“ Quizfragen, mit denen man lernen kann, in Italien und in der EU zu leben. Am Anfang waren es 2500 Stück, jetzt sind es schon 5000, die die Universität von Foggia den Machern von „Mygrants“ zur Verfügung stellt. Es geht um die Verfassung, um Asylrecht, Arbeitsrecht, Unternehmertum „und die Fragen werden von Level zu Level immer schwieriger“.

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  • Es ist beruhigend, daß die Schlepper und die Regierung eine neue Möglichkeit für ihre Tätigkeit haben.

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